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Chris Byrd vs. Wladimir klitschko II - Der Bericht
Am Samstag bot sich Wladimir Klitschko (BP-Nr. 3, auf Foto rechts) in der Mannheimer SAP-Arena die Chance, nach 37 Monaten gegen den amtierenden IBF- Champion Chris Byrd (BP-Nr. 1, auf Foto links) wieder Weltmeister im Schwergewicht zu werden. Für manche Boxfans ist der inzwischen 30-jährige Ukrainer schon seit langem das Licht in der Schwergewichtszene. Doch seit seiner schweren Niederlage im März 2003 gegen Corrie Sanders , als Klitschko den Weltmeistertitel der WBO verlor, gab es sehr viel Schatten in der Karriere des Hünen aus Kiew. Mäßige Leistungen gegen Danell Nicholson und DaVarryl Williamson (BP-Nr. 16) , sowie eine zweite schwere Niederlage gegen Lamon Brewster (BP-Nr. 2) gesellten sich als weitere Tiefpunkte in der Karriere Klitschkos hinzu. Der letzte Kampf gegen den schlagstarken Nigerianer Samuel Peter (BP-Nr. 8) ließ jedoch wieder einen klaren Aufwärtstrend erkennen. Vor dem gestrigen Kampf war die Boxszene also gespannt, was dieses Mal überwiegen würde: Licht oder Schatten. Zwar galt Wladimir Klitschko als klarer Favorit, doch Meldungen aus dem Trainingscamp Chris Byrds, nach denen sich der Weltmeister in der Form seines Lebens befände und die Auswahl des kleinst möglichen Ringes schienen darauf hinzuweisen, dass der Kampf wesentlich enger verlaufen könnte als das erste Duell der beiden Boxer im Oktober 2000, als der Mann aus Las Vegas, Nevada, zweimal zu Boden musste und deutlich ausgepunktet wurde.
Die erste Runde bestätigte diese Erwartung auch. Beide Kontrahenten agierten sehr verhalten und mit sichtlichem Respekt vor ihrem Gegner. Vor allem mit der Führhand fintierend und abtastend, hatten die Füße der Boxer den meisten Feindkontakt in diesem Durchgang. Wladimir Klitschko stand immer wieder auf dem vorderen rechten Fuß seines in der Rechtsauslage agierenden Gegners, während er von Beginn an versuchte, die Distanz zu wahren und seinen Jab zu etablieren. Kamen sich die Boxer dann doch mal im Infight näher, wurde von beiden schnell geklammert. Während die erste, ziemlich ereignislose Runde noch knapp an den Weltmeister Byrd ging, begann sich der Herausforderer ab dem zweiten Durchgang durchzusetzen und fand allmählich in den Kampf. Eine harte Links-rechts-Kombination des Ukrainers brachte die ersten klaren Treffer in dem bis dahin wenig ansehnlichen Gefecht. Byrd zeigte sofort Reaktion, allerdings nicht in Form von Schlagwirkung. Viel mehr schien er sich zu ärgern, diese Treffer kassiert zu haben. Er versuchte Klitschko verbal aus der Reserve zu locken, doch dieser setzte seine Marschroute unbeirrt fort. Auch im weiteren Verlauf der Runde konnte er noch einige Schläge ins Ziel bringen, wenn auch die Anzahl klarer Treffer in dem Kampf weiterhin gering blieb. Byrd gelang es seinerseits nur selten Schläge anzubringen, meist als Gerade zu Körper geschlagen.
In Durchgang drei schien Klitschko zunächst den Faden wieder zu verlieren. „Rapid Fire“ Byrd gelang es nun, die Schläge besser zu vermeiden. Zudem machte es den Anschein, als sollte er über Aktivität selbst in den Kampf finden. Doch der Herausforderer kam in der zweiten Rundenhälfte wieder auf und traf nun vor allem mit der Führhand regelmäßig sein Ziel, wodurch er sich auch diesen Durchgang sicherte. Zwischendurch ging Klitschko sogar selbst zum Körper des Gegners, was ihm sichtlich half, Lücken zu schaffen. In der vierten Runde setzte sich dieses Bild fort. Eine Rechte Klitschkos schien Byrd sogar fast von den Beinen zu holen. Zu diesem Zeitpunkt hatte der „Steelhammer“ den Kampf klar unter Kontrolle und boxte in einem gleichbleibend ruhigen Tempo seinen Stiefel beachtenswert effektiv herunter. Er variierte nun auch seine Angriffe mehr und so brachte er auch mal seine rechte Schlaghand unvorbereitet gegen den hineinmarschierenden Gegner. Byrd erschien zu diesem Zeitpunkt überraschend ideenlos und sogar deutlich langsamer als erwartet. Schon in seinen letzten Kämpfen hatte der US-Amerikaner teilweise diesen Eindruck hinterlassen.
Byrds Betreuer schienen dies ebenfalls zu sehen und ermahnten ihren Schützling, auf keinen Fall den Kampf in dieser Weise weiter zu führen, sondern aktiver zu werden. Doch Wladimir Klitschko ließ sich das Heft nicht mehr aus der Hand nehmen. Bereits nach ungefähr einer Minute in Runde fünf traf er seinen Gegner mit einer weiteren krachenden Links-rechts-Kombination, die Byrd förmlich nach hinten umwarf. Sichtlich angeschlagen kam der Titelverteidiger zwar schnell wieder auf die Beine, doch mit mehr als der Hälfte der Runde auf der Uhr schien es fraglich, ob er diese überstehen würde. Klitschko setzte nach und deckte seinen an den Seilen stehenden Gegner mit weiteren Schlägen ein. Der Ukrainer konnte noch vereinzelte Treffer anbringen, doch Byrd hielt sich tapfer auf den Beinen. Schließlich wurden Klitschko sichtlich die Arme schwer und so besann er sich die letzten 30 Sekunden des Durchgangs folgerichtig darauf, wieder mindestens einen Gang zurückzuschalten.
Sowohl Ringrichter Wayne Kelly als auch Byrds Trainer und Vater Joe Byrd drohten in der Rundenpause damit, den Kampf abzubrechen, wenn der US-Amerikaner nicht mehr Gegenwehr leisten würde. Tatsächlich sah dieser zu Beginn der sechsten Runde schon schwer gezeichnet aus, wobei bezweifelt werden darf, dass sich auf Klitschkos Handschuhen etwas anderes befand als das großflächige Emblem des Herstellers. Doch der Titelverteidiger hielt in diesem Durchgang noch einmal tapfer dagegen. Aber auch in dieser Runde musste er einige harte Treffer des Ukrainer einstecken, der unbeirrt weiter seine Marschroute verfolgte und den vorzeitigen Sieg gar nicht erst mit der Brechstange zu erzwingen versuchte. Dafür wurde Klitschko in der siebten Runde belohnt, die recht bald das endgültige Aus für Byrd brachte. Eine erneute Kombination aus Führhand und Schlaghand klingelte Byrd schwer an, gefolgt von einem kurzen linken und einem schweren rechten Haken. Der Titelverteidiger ging erneut auf die Bretter und rutschte über den Boden in die Seile. Erneut kam er zwar unsicher auf die Beine, doch schien er nicht wirklich klar zu sein und über seinem linken Auge klaffte eine breite Platzwunde. Völlig zu Recht brach Ringrichter Wayne Kelly den längst ungleichen Kampf ab.
Somit war Wladimir Klitschko durch einen überzeugenden und klaren Sieg neuer Weltmeister der IBF. Im Gegensatz zu vielen anderen Gefechten der Brüder ließ dieser Kampf keine Fragen mehr offen. Allerdings muss man klar sagen, dass Chris Byrd nicht in der Lage war, einen spannenderen Kampf als vor sechs Jahren abzuliefern. Er selbst zeigte sich anschließend von seiner Leistung enttäuscht und bestätigte, niemals wirklich in den Kampf gefunden zu haben. Auch der neue Weltmeister äußerte sich etwas überrascht über die unerwartet geringe Schnelligkeit Byrds, betonte aber, dass dies dennoch ein schwerer Kampf gewesen sei. Weiterhin gab Wladimir Klitschko an, gern gegen die Weltmeister der anderen Verbände antreten zu wollen. Der geneigte Boxfan würde sicher auch ein Rematch gegen Lamon Brewster gern sehen. Mit einem Wladimir Klitschko in der gestern gezeigten Form, wäre sicher jeder dieser Kämpfe vielversprechend. Allerdings darf man nach den Ankündigungen des Ukrainers Duelle dieses Kalibers sicher auch erwarten.
Im Vorprogramm der Weltmeisterschaft verteidigte Mittelgewichtler Sebastian Sylvester (BP-Nr. 11, auf Foto rechts) seinen Europameistertitel. Eigentlich war Dirk Dzemski als Gegner vorgesehen, doch dieser sagte kurzfristig den Kampf aufgrund einer Erkältung ab. Sylvesters Team hatten laut eigener Aussage mit dem Rückzieher des NBA-Champions gerechnet und den Engländer Steven Bendall (auf Foto links) vorsorglich als Ersatz verpflichtet. Bendall ist englischer Meister und weist einen guten Rekord auf, der ihn, zumindest auf dem Papier, als würdigen Herausforderer auswies. Doch im Ring machte Sylvester kurzen Prozess. Von Beginn an übernahm der Greifswalder die Kontrolle des Kampfes und punktete fleißig mit schnellen geraden Händen. Bendalls löchrige Deckung kam dem Europameister dabei zu Gute. Zudem gelang es ihm, seinen Gegner bei dessen Aktionen mehrmals auszukontern. In Runde drei wurde Bendall dann von einer harten Rechten angeschlagen und ging in die Seile. Sylvester setzte nach und konnte weitere schwere Treffer anbringen, bevor Ringrichter Franco Ciminale den Kampf abbrach.
In weiteren Schwergewichtsduellen traten u. a. Timo Hoffmann , Alexander Povetkin (auf Foto rechts) und Rene Dettweiler aus dem Sauerland-Boxstall an. „Die deutsche Eiche“ Timo Hoffmann mühte sich gegen Abraham Okine aus Ghana ab und kam zu einem ungefährdeten, aber wenig überzeugenden Punktsieg. Alexander Povetkin bekam es mit dem erfahrenen Friday Ahunanya (auf Foto oben links) zu tun. Der Nigerianer machte es dem russischen Talent sehr schwer und hielt gut dagegen, doch letztlich konnte sich auch Povetkin nach einem harten Stück Arbeit einen verdienten Punktsieg sichern. Auch der deutsche Nachwuchsmann Rene Dettweiler hatte mit seinem Gegner, dem bis dahin ungeschlagenen Tschechen Ondrej Pala , alle Hände voll zu tun. Am Ende behielt zwar auch in diesem Duell der Heimboxer über die Punkte die Nase vorn, doch hätte man die Begegnung durchaus auch als Remis werten können.
Zudem errang auch Superweltergewichtler Alexander Abraham einen Punktsieg über sechs Runden gegen Marcen Gierke , während der Ire Andy Lee in einem Kampf im Mittelgewicht seinen Kontrahenten Wassim Khalil durch TKO in Runde fünf vorzeitig bezwang. Auch der ukrainische Gastboxer Oleg Platov (auf Foto rechts) stoppte in einem weiteren Schwergewichtskampf seinen Gegner, Colin Kenna (auf Foto links) aus Irland, durch technischen KO im sechsten Durchgang. Sonntag, 23. April 2006