boxingpress Boxen · Wetten · Archiv

Kampfberichte Kampfbericht

Luan Krasniqi - David Bostice - Der Bericht


Luan Krasniqi - David Bostice - Der Bericht

Luan Krasniqi (BP-Nr. 11, auf Foto oben links) hat sich durch einen Punktsieg gegen den Amerikaner David Bostice (auf Foto oben rechts) am Samstagabend in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle wieder ins Gespräch für einen WM-Titelkampf gebracht. Zwar hatte der Rottweiler größere Probleme als erwartet mit seinem Gegner, lag aber nach zehn Runden letztlich verdient auf den Punktzetteln vorne.

Für den gebürtigen Kosovo-Albaner galt es, die KO-Niederlage aus seinem Kampf vom 29. September des vergangenen Jahres gegen Lamon Brewster (BP-Nr. 5) um den Weltmeistertitel der WBO vergessen zu machen und sich durch eine beeindruckende Leistung wieder auf WM-Kurs zu bringen. In dem Kampf in der Stuttgarter Schleyer-Halle ging es um keinen Titel, was der Stimmung unter den etwa 4.000 Zuschauern aber keinen Abbruch tat. Von der ersten bis zur letzten Minute wurde der Rottweiler angefeuert, als handele es sich schon um den erwünschten WM-Kampf.

Krasniqi wusste in den ersten vier Runden zu überzeugen. Mit klaren Treffern beeindruckte er den Amerikaner und dieser war in den Runden zwei und drei so „angeklingelt“, dass ein KO absehbar schien. Doch ab der fünften Runde kam Bostice - zu diesem Zeitpunkt unerwartet - besser in den Kampf und konnte seinerseits klare Treffer verbuchen. So hätten die Runden fünf und sechs bei objektiven Punktrichtern klar an den Gastboxer gehen müssen. In der sechsten Runde begann der Kampf zeitweise unsauber zu werden, als Bostice zweimal nachschlug nach dem Trennkommando. Die ausgeglichene siebte Runde sah einen Tiefschlag des Amerikaners, der allerdings nicht so tief und hart war, wie Krasniqi glauben machen wollte.

Die verbliebenen Runden brachten ein verbissenes, aber immer spannendes Gefecht mit einer Reihe von Unsauberkeiten und zeitweise klammernden Boxern, die beide überwiegend mit Einzelschlägen die Entscheidung suchten. Insbesondere Krasniqi war es anzumerken, dass er mit der Brechstange den KO-Sieg erzielen wollte, der ihm jedoch nicht gelingen sollte. Gute Treffer auf beiden Seiten ließen die Runden weitgehend ausgeglichen wirken, mit leichten Vorteilen für den etwas öfter treffenden und aktiveren Heimboxer.

Bei einem Kampf in Deutschland mit drei deutschen Punktrichtern war es keine Überraschung, dass die anschließende Punktewertung mit 99:93, 99:92 und 99:91 zu hoch für Krasniqi ausfiel. Verdient war der Punktsieg Krasniqis dennoch, da er den Kampf die ersten vier Runden klar dominierte und harte Wirkungstreffer setzte und der Amerikaner danach den Kampf allenfalls ausgeglichen gestalten konnte.

Dennoch muss die Frage erlaubt sein, ob man einen Mann wie David Bostice mit einem Kampfrekord von (jetzt) 35-11-1 nicht klarer, nämlich vorzeitig, besiegen muss, wenn man in der Weltspitze mitboxen und einen WM-Titelfight haben will. Zum Vergleich: Wladimir Klitschko knockte Bostice im Jahr 2000 in der zweiten Runde aus. Der US-Amerikaner hat keinen einzigen Sieg gegen einen großen Namen in seinem Kampfrekord und bereitete dem Titelaspirant aus Rottweil viel größere Probleme als erwartet. Luan Krasniqi wird sicherlich seine zweite Titelchance bekommen - möglicherweise schon dieses oder nächstes Jahr - und hat sie auch verdient. Ob er aber der zweite deutsche Schwergewichtsweltmeister nach Max Schmeling wird, ist angesichts seiner Leistung vom Samstagabend noch völlig offen.

Das Rahmenprogramm brachte dem Zuschauer wenig Erwähnenswertes: Alle Universum-Boxer gewannen ihre Kämpfe klar. Die meisten Gegner waren dabei entweder überfordert oder unwillig. So besiegte zunächst Alex Mazikin den Gast Suren Kalachyan im Schwergewicht nach Punkten. Schwergewichtler Sebastian Köber knockte dann in seinem Profidebüt nach mehreren harten Niederschlägen den hoffnungslos unterlegenen Weißrussen Piotr Sapun bereits in der zweiten Runde aus. Etwas länger dauerte es beim Ukrainer Andreas Kotelnik (BP-Nr. 10, auf Foto oben rechts) im Juniorweltergewicht, der seine Titel des „WBA Intercontinental & WBO Asia Pacific Juniorwelterweight“-Champions gegen Richard Reina aus Venezuela nach Punkten verteidigte. Dem rätselnden Publikum erklärte niemand, wie um alles in der Welt der in Deutschland lebende und boxende Kotelnik „WBO Asia Pacific“-Meister wurde und was dieser Titel wert sein sollte. Die Antwort angesichts derart lächerlicher Titel mag sich jeder Boxfan selbst geben.

Vitali Tajbert (auf Foto links) beendete dann seinen Kampf im Superfedergewicht nach gut einer Minute und zwei Niederschlägen gegen Dmitry Ryabikov , der sich nach einem Körpertreffer schmerzverzerrt auszählen ließ, um dann bei „10“ wieder gutgelaunt und grinsend aufzuspringen. Eine Farce für den Boxsport, eine Schande für den Veranstalter. Universum Box Promotion muss sich fragen lassen, welchen Sinn es macht, den eigenen Boxern Gegner vorzusetzen, die entweder nicht die Fähigkeit oder aber nicht den Willen haben, ebenbürtig zu kämpfen, schlimmstenfalls keines von beiden.

So ging es weiter: Alesia Graf verteidigte ihren GBU-Titel im Juniorbantamgewicht, nachdem der Ringrichter in der sechsten Runde den Kampf wegen drückender Unterlegenheit der hübschen Ungarin Beatrix Farago abbrach. Sebastian Zbik (auf Foto rechts) musste sich immerhin über acht Runden zu einem Punktsieg gegen den Österreicher Gotthard Hinteregger (auf Foto links) mühen, bevor dann Danut Moisa in seinem Schwergewichtskampf gegen Andreas Sidon bereits in der zweiten Runde keine Lust mehr hatte und sich nach einem Clinch fallen und auszählen ließ. Zwar war dem einige Sekunden zuvor ein Körpertreffer von Sidon vorausgegangen, doch fiel es schwer, an eine derart verzögerte und dann so heftig und plötzlich eintretende Schlagwirkung zu glauben. Andreas Sidon konnte sich anschließend auch nur achselzuckend beim pfeifenden Publikum entschuldigen. An ihm lag es nicht.

So blieb am Schluss die Hoffnung, dass man nach einem durchwachsenen Vorprogramm zumindest wirklich das Comeback des derzeit besten deutschen Schwergewichtlers Luan Krasniqi gesehen hatte, das ihn auf den Weg zum nächsten Titelkampf und dann zum zweiten deutschen Weltmeister nach Max Schmeling bringen wird. Montag, 01. Mai 2006


Dieser Beitrag im Archiv

Der Beitrag stammt vom 14. Juni 2006 und steht in der Rubrik Kampfberichte. Sie versammelt 35 Beiträge aus dem Archiv, 7 davon aus demselben Jahr. Der ursprüngliche Beitrag umfasst 886 Wörter Fließtext und liegt damit an 26. Stelle des Umfangs innerhalb dieser Rubrik. Die Einordnung folgt der Adresse, unter der er ursprünglich erschienen ist, und nicht einer nachträglichen Bewertung des Inhalts: Eine heute vorgenommene Zuordnung wäre eine Vermutung, und eine falsche Vermutung fiele später niemandem mehr auf.

Zum Beitrag ist eine Originalaufnahme erhalten, sie misst 300 Pixel in der Breite. Das ist die Größe, in der Bilder im Web dieser Jahre ausgeliefert wurden, und sie setzt die Grenze für die Darstellung: Eine Aufnahme wird höchstens auf das Doppelte ihrer eigenen Breite gebracht, weil darüber hinaus nur noch Unschärfe entsteht. Deshalb steht sie klein neben dem Text und nicht über ihm.

Genannt werden in diesem Beitrag Wladimir Klitschko, Luan Krasniqi und Max Schmeling. Ein vollständiger Kampfrekord ist zu keinem dieser Namen erhalten. Weitere Beiträge, in denen sie vorkommen, erschließt der Boxerindex, der die Namen quer durch alle Rubriken zusammenführt.

In der zeitlichen Folge seiner Rubrik steht der Beitrag an 23. Stelle von 35. Davor liegt Regina Halmich vs. Maria Jesus Rosa - Der Bericht aus 2006. Danach folgt Susianna Kentikian vs. Nadia Hockmi - Der Bericht aus 2007. Diese Reihenfolge ist die des Erscheinens und nicht die der Bedeutung; sie eignet sich, um einen Zeitraum am Stück zu lesen, und weniger, um einen einzelnen Namen zu verfolgen. Dafür ist der Boxerindex der kürzere Weg.

Der ursprüngliche Beitrag gehört zu den kürzeren des Archivs. Das hat in der Regel einen von zwei Gründen: Entweder war er von vornherein knapp gehalten, etwa als Meldung, Tabelle oder Hinweis in eigener Sache, oder er verweist auf Inhalte, die außerhalb der Seite lagen und sich nicht mit ihr wiederherstellen ließen. Was hier unter dieser Überschrift steht, ist die Beschreibung des Dokuments und klar von ihm getrennt.

In derselben Rubrik stehen unter anderem John Ruiz vs. Nicolay Valuev - Der Bericht, Dunaway eine Nummer zu klein für Halmich und Lamon Brewster vs. Luan Krasniqi - Der Bericht. Der Weg durch das Archiv führt entweder über die Rubrik, wenn ein Zeitraum gesucht wird, oder über den Boxerindex, wenn ein Name gesucht wird. Für die reinen Zahlen einer Karriere sind die Kampfrekorde der kürzeste Weg, und zwei davon lassen sich im Rekord-Vergleich unmittelbar nebeneinanderlegen.

Häufige Fragen zu diesem Beitrag

Wann ist dieser Beitrag erschienen und in welcher Rubrik steht er?

Er trägt das Datum 14. Juni 2006 und gehört zur Rubrik Kampfberichte, die im Archiv 35 Beiträge umfasst. Aus dem Jahr 2006 stammen davon 7.

Ist der Text gegenüber der ursprünglichen Fassung verändert worden?

Inhaltlich nicht. Entfernt wurden Navigation, Werbeflächen und Seitenfuß, hinzugekommen sind die Angaben zu Rubrik, Jahr und Umfang neben dem Text. Der Beitrag selbst gibt den Kenntnisstand von 2006 wieder und wird nicht an spätere Entwicklungen angepasst.

Welche Boxer werden in diesem Beitrag genannt?

Namentlich Wladimir Klitschko, Luan Krasniqi und Max Schmeling. Zu keinem dieser Namen ist im Archiv ein vollständiger Kampfrekord erhalten. Weitere Beiträge zu einem bestimmten Namen erschließt der Boxerindex.

Welche Beiträge stehen im Archiv unmittelbar davor und danach?

Innerhalb der Rubrik Kampfberichte steht dieser Beitrag an 23. Stelle von 35. Davor liegt "Regina Halmich vs. Maria Jesus Rosa - Der Bericht" aus 2006. Danach folgt "Susianna Kentikian vs. Nadia Hockmi - Der Bericht" aus 2007.

Wie umfangreich war der ursprüngliche Beitrag und sind Fotos erhalten?

Der ursprüngliche Beitrag umfasst 886 Wörter Fließtext; innerhalb seiner Rubrik steht er damit an 26. Stelle von 35. Erhalten sind 1 Originalaufnahme, die breiteste davon misst 300 Pixel. Es sind Webbilder ihrer Zeit; sie werden in der Breite gezeigt, die die jeweilige Datei hergibt, und nicht darüber hinaus vergrößert.