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John Ruiz vs. Nicolay Valuev - Der Bericht
Vor 10.000 Zuschauern in der restlos ausverkauften Berliner Max-Schmeling-Halle, entriss Nicolay Valuev (BP-Nr. 14, Foto) dem Amerikaner John Ruiz ( BP-Nr. 4) dank freundlicher Unterstützung der Punktrichter den WBA-Titel. In einem weiteren Kampf des Abends hatte Laila Ali unter den Augen ihres Vaters Muhammad Ali mehr Probleme als erwartet.
1. Kampf: Pawel Kolodziej vs. Igor Maric , Cruisergewicht, angesetzt auf sechs Runden
Den Auftaktkampf bestritt die polnische Cruisergewichtshoffnung Pawel Kolodziej gegen den kroatischen Profidebütanten Igor Maric . Leider musste Maric den Kampf bereits nach der zweiten Runde verletzungsbedingt aufgeben, wonach Kolodziej zum Sieger erklärt wurde.
Sieger durch technischen KO in Runde drei: Pawel Kolodziej.
2. Kampf: Mario Preskar vs. Ervin Slonka , Schwergewicht, angesetzt auf sechs Runden
Im zweiten Gefecht des Abends bekam es Mario Preskar (auf Foto links) mit Ervin Slonka (auf Foto rechts) aus Tschechien zu tun. Preskar, der bereits seinen dritten Kampf in diesem Monat absolvierte, deckte seinen überforderten Gegner besonders gegen Ende der Distanz von sechs Runden mit harten Treffern zu Kopf und Körper ein. In der letzten Runde brach Ringrichter Kurt Griesel den Kampf nach einer weiteren Schlagsalve des Kroaten ab.
Sieger durch technischen KO in Runde sechs: Mario Preskar.
3. Kampf: Oleg Platov vs. Stephane Tessier , Schwergewicht, angesetzt auf acht Runden
Gleich darauf betraten wieder zwei schwere Jungs die Bühne in der bereits erstaunlich gut gefüllten Schmeling-Halle. Der von Wilfried Sauerland mitbetreute Russe Oleg Platov (auf Foto links) bekam es mit Stephane Tessier (auf Foto rechts) aus Kanada zu tun. Tessier musste in Durchgang drei nach einer Körper-Kopf-Kombination zu Boden. Platov prügelte direkt nach dem Gong zur vierten Runde wild auf den Kanadier ein, worauf dieser, mehr unter der Schlaggewalt, als durch präzise Treffer, zusammensackte und nicht mehr auf die Beine kam.
4. Kampf: René Dettweiler vs. Ante Lovric , Schwergewicht, angesetzt auf sechs Runden
Sauerland-Trainer Manfred Wolke dürfte der folgende Auftritt einiges Kopfzerbrechen bereitet haben. Sämtliche taktischen Konzepte des früheren Olympia-Siegers ignorierend, suchte ein überraschend aggressiver René Dettweiler (auf Foto rechts) gegen Ante Lovric (auf Foto links) den schnellen KO. Kurz nach dem Gong zur ersten Runde ging er nach vorn und zwang sein Gegenüber mit einem linken Körperhaken zu Boden. Wolkes Anweisungen blieben weiterhin unbeachtet und so setzte der Deutsche wild entschlossen nach. Nach zwei weiteren Niederschlägen durch linke Körperhaken hatte der Ringrichter genug gesehen und nahm den kroatischen Glaskörper aus dem Kampf.
Sieger durch technischen KO in Runde eins: René Dettweiler.
5. Kampf: Nikita Dubunin vs. Petr Rykala , Superweltergewicht, angesetzt auf sechs Runden Im fünften Kampf des Abends konnten die Punktrichter zum ersten Mal ihre Anwesenheit rechtfertigen, als sie den Norweger Nikita Dubunin (auf Foto links) gegen Petr Rykala (auf Foto rechts) eindeutig vorne sahen. Dubunin, der seinem Kontrahenten körperlich und boxerisch ein bis zwei Klassen überlegen war, bestimmte den Kampf nach Belieben. Wie sich bereits in seinen ersten beiden Profikämpfen andeutete, fehlt dem erst 19-Jährigen etwas Schlagkraft und so musste er sich auch dieses Mal darauf beschränken, seinen tschechischen Gegner elegant auszutanzen, die Führhand zu schlagen und ein wenig mit seinem Können anzugeben.
Einstimmiger Sieger nach Punkten: Nikita Dubunin.
6. Kampf: Alexander Povetkin vs. Willie Chapman , Schwergewicht, angesetzt auf sechs Runden
Keine Probleme mit dem erfahrenen Talentstopper Willie Chapman (auf Foto rechts) hatte Sauerland-Schützling Alexander Povetkin (auf Foto links) in seinem erst fünften Profikampf. Bereits in Runde eins fand der Russe der Schlüssel zum Sieg, als er Chapman mehrmals mit dem linken Haken traf. Wiederum eine Linke zwang den US-Amerikaner in Runde zwei das erste Mal zu Boden. Chapmans Erfahrung und die Tatsache, dass Povetkin nicht mit letzter Konsequenz nachsetzte, verzögerten das vorzeitige Kampfende bis zur sechsten Runde. Ein weiterer linker Haken, mit dem der Russe im Kampfverlauf kaum verfehlte, schickte Chapman erneut in den Ringstaub, woraufhin der Ringrichter den Kampf abbrach.
Sieger durch technischen KO in Runde sechs: Alexander Povetkin.
7. Kampf: Marco Huck vs. Michael Simms , Cruisergewicht, angesetzt auf acht Runden
Den letzten Rest Aufmerksamkeit, bevor der große Muhammad Ali die Schmeling-Halle betrat, bekam Marco Huck (BP-Nr. 17, auf Foto links) vom Berliner Publikum. Dass diese ihm durchaus gerechtfertigt zuteil wurde, bewies der Lokalmatador gegen den US-Amerikaner Michael Simms (auf Foto rechts) . Gleich in den ersten Runden gelang es dem gebürtigen Bielefelder, seinen Gegner in Bedrängnis zu bringen. Auch wenn sein Stil nach wie vor zu wild schien und er einige Luftlöcher schlug, konnte er Simms einige Male an den Seilen stellen und arbeitete gut zum Körper.
Ab Runde fünf wurde das Gefecht etwas unsauber. Zum einen agierte Huck bei seinen etwas ungestümen Aktionen im wahrsten Sinne des Wortes mit "Köpfchen", zum anderen gab es einige Nickligkeiten, wie Nachschlagen von beiden Seiten. In den letzten beiden Runden ließ der Deutsche es etwas ruhiger angehen und Simms, den sein Trainer meist vergeblich anflehte, von den Seilen wegzubleiben, konnte in Durchgang acht zwei knackige Rechte zum Kinn des Berliners anbringen. Die bessere Schlussphase des Mannes aus Sacramento war jedoch nicht genug, um einen eindeutigen Erfolg Hucks zu verhindern. Zweimal 78:73 und ein etwas zu klares 80:72 waren die Urteile des Kampfgerichts.
Einstimmiger Sieger nach Punkten: Marko Huck.
8. Kampf: Laila Ali vs. Aasa Sandell, Supermittelgewicht, angesetzt auf zehn Runden
Bevor es nun zum ersten Hauptkampf kommen konnte, wurden die Zuschauer in der Halle auf eine Geduldsprobe gestellt. Bevor Laila Ali (auf Foto links) in den Ring steigen konnte, musste der wichtigste Zuschauer des Abends, ihr Vater Muhammad Ali , noch seinen Platz einnehmen. Die Wartezeit wurde den Fans mit Analyseversuchen Waldi Hartmanns und Wladimir Klitschkos ein wenig versüßt. Auch das erfrischend ahnungslose, dafür aber wenigstens nie klar stellungnehmende Geplauder einiger anwesender Promis konnte für Unterhaltung sorgen. Nachdem „The Greatest“ unter stehenden Ovationen in der Halle angekommen war, marschierten auch die beiden einzigen weiblichen Akteure des Abends in das Seilgeviert.
Auch wenn es bei dem auf zehn Runden angesetzten Kampf nicht um einen Titel ging, ließ es sich die „Entourage“ Alis nicht nehmen, Lailas große Gürtelsammlung mit an den Ring zu schleppen. Überraschenderweise bereitete die international unbekannte Aasa Sandell (auf Foto rechts) der US-Amerikanerin in den ersten Runden mehr Probleme, als ihr lieb sein konnte. Die Schwedin, die über einiges an Amateurerfahrung verfügt, traf gut mit der Führhand und konterte Alis wilde Attacken zumeist mit präzisen Geraden auf der Innenbahn. So überrascht sie, wie das Publikum, davon war, so ruhig nahm Ali die anfängliche Überlegenheit ihrer Gegnerin hin. Sie versuchte weiterhin permanent Druck auszuüben, Sandell zum Laufen zu zwingen und sie mit Körperattacken müde zu machen. Auf den Punktezetteln klar zurückliegend, nach vier Runden stand es zweimal 40:36 sowie einmal 39:37, ging dieses Konzept in Runde fünf auf. Ein Aufwärtshaken Alis brachte den Anfang vom Ende. Sandell wurde von der US-Amerikanerin an den Seilen gestellt, nahm einige schwere, unbeantwortete Treffer und wurde vom Ringrichter aus dem Kampf genommen, nachdem sie sich seitlich abwendete.
Ein unberechtigtes und vor allem unfaires, gellendes Pfeifkonzert des Berliner Publikums war die Folge. Als daraufhin Muhammad Ali den Ring bestieg, um seiner Tochter zu gratulieren, wurden die Buhrufe gar noch lauter. Mit dieser Unsportlichkeit dürfte das Publikum der Hauptstadt als Veranstaltungsort einen Bärendienst erwiesen haben. Laila Ali selbst sagte nach dem Kampf, dass für sie der Abbruch auch etwas frühzeitig kam, sie gerne ihre Arbeit vollendet und Aasa Sandell richtig ausgeknockt hätte.
Den Weg, wie man die Weltmeisterin schlagen kann, hat dieser Kampf durchaus aufgezeigt. Athletinnen mit Größen- und Reichweitenvorteilen gegenüber Laila Ali, die zudem auch noch boxen können und Kondition für zehn Runden mitbringen, gibt es jedoch beim Frauenboxen auch im Supermittelgewicht nicht wie Sand am Meer.
Siegerin durch technischen KO in Runde fünf: Laila Ali.
9. Kampf: Nicolay Valuev vs. John Ruiz , Schwergewicht, angesetzt auf zwölf Runden Der Kampf um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht nach Version der WBA sollte nun den krönenden Abschluss bringen. Weltmeister John Ruiz (BP-Nr. 4, auf Foto rechts) wollte seinen Titel gegen den 25 Zentimeter größeren und gut 40 Kilogramm schwereren Russen Nicolay Valuev (BP-Nr. 14, auf Foto links) verteidigen. Die Ansetzung hatte bei Experten und Fans gleichermaßen Entsetzen ausgelöst. Das Duell zwischen dem nicht gerade reichlich mit boxerischem Feinschliff versehenen Riesen und dem oftmals ringenden statt boxenden Amerikaner, versprach nicht unbedingt eine epische Ringschlacht zu werden. Die Box-Historie zeigt aber, dass gerade diese Kämpfe manchmal besser sind, als erwartet.
Hoffend auf diese Ausnahme von der Regel, wurden die Zuschauer, die nicht wie Muhammad Ali die Halle bereits in weiser Voraussicht verlassen hatten, von Nicolay Valuev und John Ruiz bitter enttäuscht. Zu Beginn zeigte Ruiz, wie man es hätte machen können. Gleich zu Beginn startete er eine überfallartige Attacke, die die Schwerfälligkeit Valuevs offenbarte und traf zu Kopf und Körper. In Runde zwei deutete Valuev an, was der Schlüssel zum Sieg gewesen wäre und schob dem Weltmeister einige Male die Führhand in das Gesicht. Ständig in den Ring hinein brüllend, erhielt der spätere Hauptakteur der Veranstaltung, Ruiz' Trainer Norman Stone , eine Verwarnung durch Ringrichter Stanley Christodoulou .
Auf diesem Niveau hätte der Kampf durchaus ansehnlich werden können, jedoch kam Valuevs gut treffender Jab viel zu selten und eine Aktion, die durch diesen vorbereitet werden sollte, fast überhaupt nicht. Klare Treffer mit der rechten Schlaghand, bei der man zudem Angst haben musste, dass Valuev sich den Ellenbogen auskugelte, waren an einer Hand abzuzählen. Ruiz auf der anderen Seite, war zumeist der aktivere Mann bzw. zumindest schlug er nicht ganz so wenig wie Valuev. Der US-Amerikaner verfiel jedoch zunehmend in sein altes Strickmuster, bei dem er nach guten Eins-zwei-Kombinationen in den Mann ging und hielt. Auch er war phasenweise zu inaktiv und so konnte Valuev einige Runden stehlen. So wurden bis Durchgang acht mehr Runden verschenkt, als gewonnen.
Konnte man bis dahin noch von einem engen Kampfverlauf sprechen, schien der Russe ab Runde neun zu vergessen, wer der Herausforderer war. Die niedrige Schlagfrequenz mit der Führhand ging weiter nach unten, was Ruiz jedoch nicht dazu animierte, mehr für den Kampf zu tun. Wenn der Gegner jedoch nahezu nichts zustande bringt, kann man auch mit wenigen Aktionen gewinnen. Auch wenn beide zum Ende des Kampfes mehr klammerten, als dass sie schlugen, und dabei auch mehr daneben, als ins Ziel, konnte der Titelverteidiger die besseren Aktionen setzen. Eine schöne Rechts-links-Kombination zum Ende der neunten Runde und ein linker Haken, der Valuev für eine Sekunde wackeln ließ, konnte man schon als die besten Momente des Kampfes werten. Überraschenderweise traf Ruiz auch nicht, wie von vielen Experten erwartet, mit der rechten Schlaghand am besten, sondern eher mit dem linken Haken.
So quälten sich die beiden mehr, als dass sie boxten, über die Runden und das Publikum buhte schon vor der Urteilsverkündung. Als das Urteil verlesen wurde, die Wertungen lauteten 114:114, 116:114 und 116:113 für Valuev, brach wiederum ein lautes Pfeifkonzert aus. Heiner Lauterbach sagte vor dem Kampf, dass Valuev nicht nur durch seine Größe bevorteilt wäre, sondern auch durch andere Dinge. Was vor dem Kampf noch als ungenaues Analysegelaber hätte durchgehen können, wirkte nach dem Ergebnis fast wie eine hellseherische Prophezeiung. Selbst wenn man dem Weltmeister unberechtigterweise keine enge Runde zuspricht, sondern diese an den Herausforderer gibt, kommt man womöglich auf ein schmeichelhaftes Unentschieden. Wie man Ruiz nur vier Runden zugestehen und eine, respektive zwei unentschieden werten kann, wird wohl das Geheimnis von den beiden Punktrichtern Derek Milham und Hector Hernandez bleiben. Auch wenn sich John Ruiz ärgern sollte, nicht aktiver gewesen zu sein, um den Kampf dominanter zu gestalten - Nicolay Valuev hat als Herausforder nicht genug getan, um den WBC-Weltmeister abzulösen.
Gleiches dachte sich auch Ruiz' Trainer Norman Stone, der den Gürtel nicht herausgeben wollte und daraufhin von Hagen Sevecke aus dem Valuev-Team mit Faustschlägen attackiert wurde. Nachdem Offizielle einschritten und sogar Ex-WM-Herausforderer Jameel McCline den Ring stürmte, um „Stoney“ zu helfen, konnte zwar dieser Kampf unterbunden werden, die erhitzten Gemüter hingegen haben sich sicherlich auch heute noch nicht beruhigt.
Sieger durch Mehrheitsentscheidung: Nicolay Valuev.