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Beyer vs. Catley -- Der Bericht
Markus Beyer verliert seinen Titel, Timo Hoffman besiegt Willi Fischer von Steffen Kuhnt
Frankfurt/Main. Hoffentlich behauptet jetzt niemand, daß das BoxingPress-Team mit seiner Vorhersage eines spätrundigen KO-Erfolges zu Gunsten von Glenn Catley die berühmt-berüchtigten "negativen Wellen" verbreitet hätte - dem ist nämlich definitiv nicht so. Im Gegenteil, alle Gründe, die zur Niederlage des nunmehr ehemaligen WBC-Weltmeisters im Supermittelgewicht Markus Beyer führten, hatten ihren Ursprung einzig und allein im Ring.
Der Herausforderer aus Bristol gab sich im Vorfeld des Kampfes äußerst zuversichtlich, und seine gezeigte Leistung stellte eindrucksvoll die Tatsache unter Beweis, daß dies mehr war als nur Zweckoptimismus. Catley zählte vor diesem Kampf zu den Boxern, die dem breiten Publikum zwar wenig bekannt sind, jedoch trotzdem in der Lage sind, auch auf Weltniveau ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Vor 18 Monaten mußte dies der damalige Weltmeister Richie Woodhall feststellen, als er seinen Titel nur dank eines sehr umstrittenen Heimurteils gegen den "Catman" verteidigen konnte.
Markus Beyers Leistung am gestrigen Abend wirft hingegen einige Fragen auf. Zu Beginn des Kampfes hatte es den Anschein, als ob Markus bereits begonnen habe, dem etwas künstlich um ihn aufgebauten Mythos des gefährlichen Punchers selbst Glauben zu schenken. Das Kampfbild, daß er und seine Fans aus seinen beiden bisherigen Titelkämpfen gegen Richie Woodhall und Leif Kristian Keiski gewohnt waren, stellte sich gestern jedoch zu keinem Zeitpunkt ein. In den beiden angesprochenen Fights war Beyer in der Lage, seinen Gegner immer wieder auszukontern und mit Einzeltreffern zu beeindrucken. Nach den ersten Minuten wurde es gestern abend jedoch deutlich, daß, um Catley wirklich zu beeindrucken, etwas mehr erforderlich gewesen wäre.
Die ersten 3 Runden gingen allesamt an den Herausforderer, der grundsolide agierte, das Heft sofort in die Hand nahm und Markus Beyer immer wieder mit guten Treffern überraschen konnte. Beyer hingegen wirkte zögerlich und schien auf Konterchancen zu warten, die ihm der Brite in dieser Phase des Kampfes jedoch so gut wie nie gab. Der "Catman" startete seine Aktionen immer zuerst und war mit ihnen erfolgreicher, als er dies vielleicht hätte sein dürfen, denn der Titelverteidiger bewegte sich schlecht und war offensichtlich stark verunsichert. Dies gestattete es Catley, einige wirkungsvolle Treffer zu landen. Immer wieder überraschte er Beyer mit linken Uppercuts und schnellen rechten Händen, mit denen er in einigen Szenen sogar sichtbare Wirkung hinterlassen konnte.
In den mittleren Runden gelang es dem Deutschen dann endlich, ein wenig zu seinem Stil zurückzufinden, indem er sich besser bewegte, mehr mit der Führhand arbeitete und insgesamt so wirkte, als würde er langsam die richtige Einstellung finden. Aufgrund dessen gelang es ihm, die Initiative zumindest teilweise wieder zurückzuerobern. Catley war jedoch weiterhin der Aggressor, was in Verbindung mit den jetzt besseren Aktionen des Weltmeisters zu einigen sehr engen Runden führte. Insgesamt schien es jedoch so, als ob es Beyer langsam gelingen würde, einen knappen Punktevorsprung herauszuarbeiten.
Leider bewahrheitete sich in den letzten Runden die Theorie des Engländers, der vor dem Kampf behauptet hatte, daß Beyer Schwierigkeiten mit der 12-Runden-Distanz haben würde, denn in der Tat stellte sich in dieser Phase langsam, aber sicher wieder das Kampfbild aus den ersten Runden ein, und während Catley nicht sichtbar nachließ, wurde Beyer scheinbar immer müder.
Über den Punktestand zum Zeitpunkt des Beginns der letzten Runde gingen die Meinungen ziemlich weit auseinander. Die offiziellen Punktezettel bildeten hier keine Ausnahme, den während ein Punktrichter ein Unentschieden notiert hatte (105:105), hatte einer seiner Kollegen Catley vorn (107:100), der andere Markus Beyer (106:103). Der erste Eindruck des BoxingPress-Teams war der, daß Catley dank seiner Initiative und konsistenteren Leistung leicht führen sollte, jedoch wäre es wohl am fairsten, von einem weitgehend ausgeglichenem Kampf zu sprechen.
Am Ende waren alle Punktwertungen jedoch lediglich von rein akademischem Wert, denn bereits nach wenigen Sekunden gelang es dem "Catman", Beyer an den Seilen zu stellen und ihn mit einer krachenden rechten Hand voll am Kinn zu treffen. Beyer ging zu Boden und spätestens zu diesem Zeitpunkt stand der Sieger des Fights fest. Die einzige verbleibende Frage war die, ob es dem Deutschen gelingen würde, die Distanz zu überstehen oder nicht. Es gelang ihm nicht - zwar kam er noch einmal auf die Beine, aber er hatte dem jetzt energisch nachsetzenden Herausforderer nichts mehr entgegenzusetzen. Der Ringrichter sah dies ähnlich und stoppte den Kampf.
Der bislang größte sportliche Erfolg des Briten ist gleichzeitig die schwärzeste Stunde in der Karriere von Markus Beyer, und man wird abwarten müssen, wie sich seine Karriere von diesem Zeitpunkt an weiterentwickeln wird. Der angebliche "Millionenfight" gegen Vinny Pazienza (in unseren Augen ohnehin ein Projekt von eher fragwürdigem sportlichen Wert) düfte sich damit jedoch vorerst einmal in Luft aufgelöst haben.
Es gibt bereits Gerüchte und inoffizielle Verlautbarungen bezüglich eines Rückkampfes, aber ob eine direkte Revanche nach einer solchen relativ schweren Niederlage sinnvoller ist die Variante des Rematches nach einer vorherigen Aufbauphase, darf angezweifelt werden.
Im zweiten Hauptkampf des Abends verteidigte Timo Hoffmann seine deutsche Meisterschaft im Schwergewicht gegen Lokalmatador Willi "de Ox" Fischer . Beide Fighter hatten vor dem Kampf jeweils einen vorzeitigen Sieg angekündigt, mußten aber dennoch über die volle Distanz von 12 Runden gehen.
Das Kampfbild wurde im wesentlichen von Schlagabtausch-Szenen in der Halb- und Nahdistanz bestimmt. Recht früh wurde deutlich, daß beide Kontrahenten auf einem vergleichbar niedrigen Niveau boxten. Willi Fischers Kampftaktik sah es offenbar vor, mit Treffern zum nicht voll austrainierten Körper von Hoffmann zum Erfolg zu kommen, aber in den entscheidenden Szenen schien es so, als ob der größere und schwerere Hoffmann jeweils um einen Hauch erfolgreicher mit seinen Aktionen war. Im wesentlichen sahen die Zuschauer in Frankfurt eine kampfbetonte und technisch ziemlich schwache Auseinandersetzung mit teilweise erschreckend langsamen und schwerfälligen Aktionen.
Der einstimmige Punktsieg von Timo Hoffmann geht vollkommen in Ordnung, und die kleine Kontroverse am Ende, als Hoffmann seine Version eines leichten "Ohrbisses" präsentierte ("... kann sein, daß ich irgendwie leicht drangekommen bin, aber weh getan hat das sicher nicht ..."), wird wohl (wie der Fight selbst) auch bald in Vergessenheit geraten sein.
Mit diesem Sieg avancierte Hoffmann zum offiziellen Herausforderer von Europameister Wladimir Klitschko , der jedoch angesichts dieses Matches kaum schlaflose Nächte durchleben wird. Auf Klitschko angesprochen reagierte Hoffmann demzufolge auch für ihn untypisch ziemlich zurückhaltend, was immerhin andeutet, daß für ihn noch Hoffung besteht, die Fähigkeit zurückzuerlangen, sich endlich selbst realistisch einzuschätzen.