boxingpress Boxen · Wetten · Archiv

Kampfberichte Kampfbericht

Vitali Klitschko TKO11 Ross Puritty


Vitali Klitschko TKO11 Ross Puritty

Es war eine interessante, wenn auch nicht ganz neue Idee, eine Nacht der Schwergewichtsboxszene in Deutschland zu veranstalten. In den USA gibt es derartige Kampfabende häufiger, in Deutschland sieht man die Würdigung einer einzelnen Gewichtsklasse über einen ganzen Kampfabend nur selten. Es ist wahrscheinlich, dass alleine der Name Vitali Klitschko schon gereicht hätte, die Oberhausener Arena vollständig zu füllen, trotzdem war die Promotion der "Nacht der Giganten" insgesamt so gelungen, dass die Halle mit ihren 12.500 Plätzen tatsächlich (bis auf ein paar obere Ränge) ausverkauft war. Dementsprechend war die Stimmung in der Halle gut bis sehr gut. Es gab sogar eigene ukrainische Fangemeinden mit Fahnen und Sprechchören.

1. Kampf, Schwergewicht, angesetzt auf 4 Runden

Der Gast aus der Slowakei wirkte mit seinen 180 cm und 104 kg schwerfälliger als der 10 cm grössere Binek aus Kaiserslautern, war aber dennoch der aktivere Mann im Ring. Schwierigkeiten hatte er offensichtlich mit der Rechtsauslage des deutschen Boxers.

Die erste Runde begann verhalten und mit den typischen Abtastereien. Simko im Vorwärtsgang, Binek jedoch mit den besseren Treffern. Leichter Punktvorteil Binek.

Vitali Klitschko TKO11 Ross Puritty

In der zweiten Runde gab Binek Gas und setzte den Slowaken unter Druck. Ein schwerer Treffer schickte Simko zu Boden und dieser wurde daraufhin angezählt. Er rappelte sich jedoch schnell wieder auf und der Kampf ging weiter. Simko, sichtlich angeschlagen, wehrte sich tapfer und brachte auch tatsächlich immer wieder gestochene Geraden in Ziel. Nach einem harten Körpertreffer wurde er zum zweiten Mal (diesmal stehend) angezählt. Der Gast aus der Slowakei konnte sich diesmal nicht von den Wirkungstrefern erholen und nach mehreren schweren Haken seitens Binek wurde der Kampf vom Ringrichter - zu Recht - beendet: Sieg durch TKO Hermann Binek nach 2:35 der zweiten Runde.

2. Kampf, Schwergewicht, angesetzt auf 6 Runden

Der zweite Gast aus der Slowakei an diesem Abend - Marek Oravsky - war 191 cm gross 104 kg schwer und hat 7 Profikämpfe bestritten. Weitere Informationen über den Kampfrekord Oravskys wurden dem Publikum vorenthalten.

In der ersten Runde geschah nichts weiter Erwähnenswertes. Beide Boxer waren bemüht, keinen Fehler zu machen. Gegenseitiges Abtasten und einige wenige Links-Rechts-Kombinationen bestimmten das Kampfbild. Die Runde ging mit leichten Punktvorteilen aufgrund der etwas besseren Treffer an Adnan Serin.

Die zweite Runde begann deutlich schneller. Der Gast aus der Slowakei überraschte durch seinen energischen Gang nach vorne. Gerade dieses Energische jedoch wurde ihm schon gegen Mitte der Runde zum Verhängnis. Zu wenig auf seine Deckung achtend, wurde er von einem schweren rechten Haken auf die kurzen Rippen getroffen, knickte ein und wurde angezählt. Obwohl der schwer benommene Oravsky noch zeitig aufstehen konnte, wurde der Kampf vom Ringrichter - zu Recht - abgebrochen. Sieg durch TKO nach 1:58 in der zweiten Runde Adnan Serin.

3. Kampf, Schwergewicht, angesetzt auf 4 Runden

Vitali Klitschko TKO11 Ross Puritty

Der 31jährige Gastboxer Piotr Jurczyk aus Polen wog 114 kg und hatte einen Kampfrekord von 9-9-0 (5 KO`s). Gegen ihn kämpfte der 10 kg leichtere Universum Boxer Konstantin Onofrei, der mit einem Kampfrekord von 3-0-0 (3 KO`s) aufwarten konnte.

Schon am Anfang der ersten Runde wurde klar, dass der Kampf nicht lange dauern würde. Onofrei war deutlich überlegen, der Pole schwerfällig, mit sehr langsamer Beinarbeit und physisch klar unterlegen. Mehrere schwere Körpertreffer brachten den Polen ins Wanken, er stolperte gegen die Seile, klammerte sich an ihnen fest und wurde letztendlich stehend an- und auch über den Rundengong hinaus ausgezählt. Sieger durch KO nach 2:58 der ersten Runde Konstantin Onofrei.

4. Kampf, Schwergewicht, angesetzt auf 4 Runden

Der 33-jährige Gast aus den USA wurde als sehr interessanter und erfahrener Gast angekündigt. Der 119 kg schwere US-Amerikaner hatte laut Ankündigung 43 Profikämpfe bestritten und war mit Kirk Johnson, Washington und Gonzales über die Runden gegangen. Geflissentlich übersehen jedoch wurde der vollständige Kampfrekord von 7-33-3 (2 KO`s).

Der Amerikaner, der augenscheinlich der physisch klar unterlegene Mann war, entpuppte sich zur grossen Überraschung des Publikums als erstaunlich wendig. Dennoch waren die Wirkungstreffer grösstenteils auf Seiten Gogics. In der ersten Runde gab es viel Gerangel und teilweise etwas wildes "Rudern" seitens des Amerikaners. Punktvorteile Gogic.

Die zweite Runde begann deutlich schneller. Gogic im Vorwärtsgang stellte den Amerikaner gleich zu Anfang der Runde in der Ecke, dieser konnte sich jedoch befreien. Ein paar Sekunden später stellte Gogic den Amerikaner erneut in einer Ecke, konnte seinen Gegner jedoch nie richtig hart treffen. Rone hingegen, der über erstaunliche Oberkörperbewegungen verfügte, beugte sich zu oft unter die Gürtellinie und wurde dafür auch prompt ermahnt. Klare Punktvorteile Gogic.

Rone wollte sich jedoch keineswegs geschlagen geben. Etwas wild rudernd und nicht unbedingt sauber geschlagen, fanden doch einige Haken des Gastes aus der USA am Anfang der dritten Runde ihr Ziel, was Gogic vorübergehend in den Rückwärtsgang trieb. Der Ringrichter ermahnte Rone wegen Stossens. Gegen Ende der Runde begann der klar unterlegene Amerikaner, der aufgrund seiner Konditionsschwächen nicht einmal mehr die Deckung richtig oben halten konnte, mit den US-typischen Showeinlagen. Das Publikum nahm in diesem ansonsten nicht sehr mitreissenden Kampf diese neuen Elemente dankbar an. Gegen Ende der Runde gab es eine überraschende, überfallartige Attacke Rones, der Gogic mehrmals hart treffen konnte.

Der Amerikaner blieb zwar klar unterlegen, jedoch nicht in dem Maße, wie es die unterschiedliche Physis erwarten ließ. Aufgrund mehrerer Konterattacken des Amerikaners verlief diese Runde nur mit leichten Punktvorteilen für Gogic.

In der vierten und letzten Runde zeigte der Amerikaner überraschend und klar seine grössere Ringerfahrung. Er stellte sich ohne jegliche Deckung an die Seile und pendelte, parierte und blockte eine vollständige lange Schlagserie von Gogic filmreif aus, ohne auch nur einen einzigen Schlag nehmen zu müssen. Das Publikum beklatschte diese Aktionen lautstark und nahm auch die weiteren Showeinlagen des Gastes dankbar an. Punktvorteile Gogic.

Der Sieger durch einstimmiges Punkturteil hieß Goran Gogic. Teile des Publikums wollten den Amerikaner als Sieger gesehen haben, aber dies lässt sich jedenfalls mit den Regeln des Boxsports nicht begründen.

5. Kampf, Schwergewicht, angesetzt auf 8 Runden

Der 30-jährige Gast aus den USA, Chris Isaac, wog 107 kg und trat mit dem überraschend guten Kampfrekord von 6-1-0 (6 KO`s) an. Für Universum kämpfte der "Bulle vom Bosporus" Sinan Samil Sam mit dem Kampfrekord von 12-0-0 (6 KOs).

Die erste Runde verlief ohne spektakuläre Szenen, jedoch mit einem auffallend sauberen Boxstil beider Boxer. Der Ringrichter griff bis zum Ende der Runde nicht ein. Es gab kein Klammern und kein Halten. Diese Art zu Boxen ist typisch für den 27jährigen Amateur-Weltmeister im Superschwergewicht von 1999 in Houston, der jedoch Schwierigkeiten hat, ähnlich überragende Leistungen auch im Profi-Boxsport zu zeigen. Die Runde verlief ausgeglichen.

Die zweite Runde verlief mit ähnlichem - handwerklich guten - Boxstil beider Boxer, das Publikum jedoch fing an, mürrisch zu werden und forderte riskantere Aktionen beider Boxer. Sinan Samil Sam im Vorwärtsgang und einigen guten Geraden, der US-Amerikaner mit guten Kontern. Runde ausgeglichen.

In der dritten Runde musste der Universum-Boxer zwei schwere Uppercuts hinnehmen, die er augenscheinlich gut wegsteckte, 10 Sekunden später jedoch verlor er zum ersten Mal seinen Mundschutz. Der in Deutschland geborene Türke schlug zwar mehr, traf aber weniger. Chris Isaac agierte eher passiv und schlug nur die sicheren Schläge, brachte diese jedoch fast ausnahmslos ins Ziel. Daher Punktvorteile Chris Isaac.

Die vierte und fünfte Runde verliefen ohne besondere Vorkommnisse, leichte Punktvorteile für den Universum-Boxer in der fünften Runde aufgrund der etwas besseren Treffer.

In der sechsten Runde konnte Sinan Samil Sam einen schweren Kopftreffer ins Ziel bringen, der den Amerikaner gegen die Seile torkeln liess. Er fing sich und kehrte zurück zur Ringmitte, wo weitere schwere Links-Rechts-Kombinationen Sams ihr Ziel fanden. Der Gong rettete den schwer beeindruckten Chris Isaac. Klare Punktvorteile Sinan Samil Sam.

In der siebten und achten Runde gab es die klareren Treffer einmal auf Seiten des Universum-Boxers und in der letzten Runde auf Seiten Chris Isaacs. In Runde acht verlor Sam erneut seinen Mundschutz und wurde vom Ringrichter dafür ermahnt. Zu einer kuriosen Szene kam es gegen Ende dieser Runde. Der Ringrichter gab laut und deutlich das Break-Kommando, keiner der Boxer reagierte, ca. fünf Sekunden später gab der Ringrichter erneut das Kommando, griff die Arme der beiden Boxer und zog sie auseinander, worauf Sinan Samil Sam noch eine hart Links-Rechts-Kombination an den Kopf des Amerikaners schlug. Das Publikum, Chris Isaac und die amerikanische Ringecke erwarteten eine Disqualifikation, mindestens jedoch einen Punktabzug, der Ringrichter beliess es jedoch bei einer Ermahnung ohne Punktabzug. Angesichts der gerade in letzter Zeit oft hart angewandten Regeln bezüglich Nachschlagens eine nicht nachzuvollziehende Entscheidung.

Sieger nach einstimmigem Punkturteil Sinan Samil Sam. Ohne einen Punktabzug geht dieses Urteil rein rundenmäßig sogar in Ordnung, auch, wenn grosse Teile des Publikums den Amerikaner als Sieger gesehen hatten, mit Punktabzug jedoch hätte es durchaus anders aussehen können. Alles in allem ein etwas glücklicher Sieg für den Vize-Europameister 1992 und 1993 der Amateure.

6. Kampf, Schwergewicht, angesetzt auf 4 Runden

Die Erwartungen lagen hoch für Alexander Dimitrenko. Der 19jährige, der am Samstag sein Profi-Debut gab, wurde von Manager Klaus-Peter Kohl bereits als der neue Superstar vorgestellt, der die "Klitschko-Ära" beenden und die "Dimitrenko-Ära" eröffnen sollte. Es ist fraglich, ob derart hochgesteckte Erwartungen und Leistungsdruck förderlich für die Psyche eines sehr jungen Box-Neulings sind. Vom Publikum empfangen wurde der junge Ukrainer jedoch schon wie ein alter Hase.

Als Gegner bestimmt war aus den USA. Marcus Johnson trat mit einem Kampfrekord von 7-10-1 (6 KO`s) an, für einen Aufbaugegner ein recht passabler Rekord. Sein selbstbewusster Walk-In in Stars and Stripes liess auf einen guten Kampf hoffen.

Der 19jährige Alexander Dimitrenko wog 108kg, war 198 cm gross und hatte eine Reichweite von 78cm. Der Gast aus den USA hingegen war 28 Jahre alt, 116kg schwer, 191 cm gross und mit nur 72 cm Reichweite einen Nachteil von 6 cm.

Der Amerikaner stellte sich schon vor Beginn der ersten Runde in eine Position, als würde er bei einem Wettlauf starten. Schon zu Beginn der Runde duckte sich Johnson mehrmals mit dem Kopf bis unter die Gürtellinie und wurde trotz Protestes seinerseits dafür - zu Recht - ermahnt. Dimitrenko klar der überlegene Mann, Johnson stellenweise fast schon ängstlich, musste mehrere schwer Kopftreffer hinnehmen und geriet gegen Mitte der Runde auch schon ans Wanken. Seine Verteidigung bestand überwiegend aus wilden Ruderbewegungen, Festhalten und Klammern. Klare Punktvorteile Dimitrenko.

Dimitrenko begann die zweite Runde wesentlich schneller und brachte schon zu Beginn der Runde ein paar schwere Treffer ins Ziel und nahm dem Amerikaner damit die Luft. Im Verlauf der Runde brachte Dimitrenko Johnson noch mehrmals ins Wanken und stellte ihn auch einmal an den Seilen, so dass das Publikum auf ein vorzeitiges Ende wartete. Die Verteidigung des Amerikaners bestand weiterhin in Ruderbewegungen, die sogar ab und zu ihr Ziel fanden, jedoch ohne Wirkung verpufften. Als weitaus grösserer Gegner für den 28-jährigen Gast stellten sich jedoch seine eigenen Shorts heraus, die in der zweiten Runde begannen, unter den Tiefschutz zu rutschen.

Dimitrenko stellte den Amerikaner, der seine Shorts zwischenzeitlich hatte richten lassen, schon zu Beginn der Runde an den Seilen und schlug eine harte Serie auf Johnson ein, der daraufhin in den Seilen hing, sich aber irgendwie noch befreien konnte. Dimitrenko war nicht in der Lage, den finalen Punch anzubringen, was man jedoch getrost seiner noch mangelnden Ringerfahrung zuschreiben kann.

Im Lauf der Runde stellte der Universum-Neuling den Amerikaner noch mehrfach an den Seilen, der gegen Ende der Runde stehend angezählt wurde. Nach Wiederaufnahme des Kampfes reklamierte der Amerikaner plötzlich auf Stoßen, was jedoch eher nach Zeitschinderei aussah. Seine Shorts bereiteten ihm wiederholt Probleme. Rufe aus dem Publikum, wie : "Zieh Dir die Hose hoch!" waren die Folge. Letztlich hatte sogar der Ringrichter Erbarmen und richtete die andauernd der Schwerkraft folgenden "Kampfhosen" des Amerikaners eigenhändig und wurde dafür vom Publikum wild bejubelt. Überklare Punktvorteile Dimitrenko.

In der vierten Runde versuchte der Amerikaner nur noch, über die Runden zu kommen. Einige Gegenattacken, die eher wie ein Vorwärtsstolpern, als ein Vorwärtsgehen aussahen, verfehlten jegliche Wirkung. Als der Amerikaner in den Seilen hing und der Ringrichter diesmal erstaunlicherweise nicht dazwischenging, flog aus der amerikanischen Ecke zu Recht das Handtuch, um Schlimmeres zu vermeiden. Annonciert wurde als offizielles Punktergebnis ein TKO in der vierten Runde durch Abbruch des Schiedsrichters anstatt der Aufgabe.

Abschliessend kann man sagen, dass dieser Kampf - auch, wenn er kein technischer Leckerbissen gewesen ist - für einen Debütkampf recht ordentlich war. Man hat auf jeden Fall schon weit schlechtere Debütkämpfe gesehen. Negativ bleibt festzuhalten, dass Dimitrenko verhältnismässig langsam wirkte und noch viel zu viele Innenhände schlug.

In der Pause trat die Lighthouse-Family mit dem Song "Free" an, was vom Publikum überraschend positiv aufgenommen wurde. Die Show mit den ungefähr 40-50 fackeltragenden Statisten fiel für eine One-Song-Show ungewöhnlich aufwendig aus. (Näheres dazu in der Pressekonferenz).

7. Kampf, Schwergewicht, angesetzt auf 12 Runden

Ex-Weltmeister Vitali Klitschko ( Foto ) hat sich erfolgreich im Ring zurückgemeldet. Nach einer Serie von schweren Verletzungen und sportlich kaum beeindruckenden Leistungen gewann der Ukrainer am Abend in der Arena Oberhausen gegen Ross Puritty überzeugend durch TKO in Runde 11. Der 30-Jährige präsentierte sich sehr gut eingestellt auf den unbequemen und schlagstarken US-Amerikaner. Vor drei Jahren hatte der inzwischen 34-jährige Puritty in Kiew einen überraschenden Abbruch-Sieg gegen Vitali's jüngeren Bruder Wladimir erringen können.

Doch Vitali hatte seine Hausaufgaben gemacht und bestritt den Kampf sehr kontrolliert und routiniert. Nach fast einem Jahr Ringpause hatte der Ukrainer auch überraschend keinerlei "Rost" angesetzt. Klitschko brachte drei zähe Auftaktrunden und einige brandgefährliche Attacken Puritty's hinter sich und übernahm danach immer deutlicher das Kommando im Ring. Mit vielen Geraden und rechten Schlaghänden hielt der 30-Jährige den Veteran auf Distanz und zeigte gute Reflexe im Rückwärtsgang. Diese Reflexe hatte der Ukrainer jedoch auch dringend nötig, denn Klitschko's Deckung existierte - wie immer - praktisch nicht. Eine Einstellung, die sich der Schwergewichtler gegen Gegner von anderem Kaliber sicherlich nicht erlauben kann.

Mit zunehmender Rundenzahl erschöpfte Puritty sichtbar, wurde deutlich langsamer und berechenbarer. Seine Konterattacken blieben jedoch gefährlich. Wegen einer schweren Cut-Verletzung über dem rechten Auge von Puritty brach Ringrichter John Coyle den Kampf schließlich in der elften Runde ab.

"Wir haben vorher gewusst, welche Nehmerqualitäten Puritty besitzt," sagte Klitschko nach seinem erfolgreichen Comeback. "Von den vielen harten Treffern taten mir sogar meine eigenen Fäuste weh."

Doch was bleibt als Erkenntnis aus diesem Kampf gegen einen besseren Journeyman? Vitali Klitschko zeigte gegen einen limitierten, aber siegeswilligen Gegner eine konzentrierte und diesmal auch konditionsstarke Leistung. Der Ukrainer stellt in dieser Form sicherlich einen guten Prüfstein für jeden Weltklasse-Schwergewichtler dar - doch solange er nicht gegen Gegner von eben diesem oder erweitertem Weltklasse-Format antritt, kann weiterhin keine genaue Einschätzung über seine tatsächliche Leistungsfähigkeit getroffen werden.

In der abschliessenden Pressekonferenz wurde der Kampf Vitali Klitschkos als "herausragende und meisterliche taktische Leistung Vitali Klitschkos" bezeichnet. Vitali Klitschko betonte, dass nichts so wichtig ist, wie die Gesundheit eines Sportlers, und verteidigte gegenüber Kritikern die Abbruchentscheidung des Ringrichters. Spassvogel Ross Purrity lobte Vitali Klitschko für seinen Kampf, ein demonstratives Shake-Hands und ein paar Schulterklopfer folgten. Purrity wirkte jedenfalls auf keinste Art und Weise geknickt oder enttäuscht und machte seine Spässchen. Auf die Frage, ob er auch Vitali Klitschko heute Abend als den besseren Kämpfer gesehen habe, antwortete der US-Amerikaner mit breitem Grinsen: "Was? Wäre der Cut nicht gewesen, hätte ich ihn ausgeknockt!"

Klaus Peter Kohl antwortete auf die Frage nach den nächsten Schritten mit einer interessanten Ankündigung: Gemäss den Verbandsregeln der WBA wäre Vitali Klitschko bereits offizieller und von den anderen Verbänden bereits akzeptierter Herausforderer für den Gewinner des Kampfes Lewis vs. Tyson. "Ich habe immer gesagt, dass die grossen Kämpfe kommen werden, jetzt kommen sie!" so Klaus-Peter Kohl.

Auf die Frage nach der Einführung von Show-Events an Boxabenden antwortete Universum-Chef Kohl, dass er probeweise Neuland betreten hätte, um die Reaktion des Publikums zu testen, dass aber dieses Jahr keinesfalls ein weiteres Show-Event geplant wäre. In Zukunft werde man sehen, inwiefern man Boxen mit Show verknüpft, er habe aber immer in erster Linie dafür gearbeitet, dass "die Leute zu Boxveranstaltung wegen der Boxkämpfe und nicht wegen etwas anderes kommen", schloss Kohl.


Dieser Beitrag im Archiv

Der Beitrag stammt vom 14. Juni 2002 und steht in der Rubrik Kampfberichte. Sie versammelt 35 Beiträge aus dem Archiv, 5 davon aus demselben Jahr. Der ursprüngliche Beitrag umfasst 2.624 Wörter Fließtext und liegt damit an 6. Stelle des Umfangs innerhalb dieser Rubrik. Die Einordnung folgt der Adresse, unter der er ursprünglich erschienen ist, und nicht einer nachträglichen Bewertung des Inhalts: Eine heute vorgenommene Zuordnung wäre eine Vermutung, und eine falsche Vermutung fiele später niemandem mehr auf.

Zum Beitrag sind 5 Originalaufnahmen erhalten, die breiteste misst 282 Pixel in der Breite. Das ist die Größe, in der Bilder im Web dieser Jahre ausgeliefert wurden, und sie setzt die Grenze für die Darstellung: Eine Aufnahme wird höchstens auf das Doppelte ihrer eigenen Breite gebracht, weil darüber hinaus nur noch Unschärfe entsteht. Deshalb steht sie klein neben dem Text und nicht über ihm.

Genannt werden in diesem Beitrag Vitali Klitschko. Ein vollständiger Kampfrekord ist zu keinem dieser Namen erhalten. Weitere Beiträge, in denen sie vorkommen, erschließt der Boxerindex, der die Namen quer durch alle Rubriken zusammenführt.

In der zeitlichen Folge seiner Rubrik steht der Beitrag an 4. Stelle von 35. Davor liegt Ottke und Hoffmann behalten ihre Titel aus 2002. Danach folgt Roy Jones bestraft Richard Hall aus 2002. Diese Reihenfolge ist die des Erscheinens und nicht die der Bedeutung; sie eignet sich, um einen Zeitraum am Stück zu lesen, und weniger, um einen einzelnen Namen zu verfolgen. Dafür ist der Boxerindex der kürzere Weg.

In derselben Rubrik stehen unter anderem Beyer vs. Catley -- Der Bericht, Michalczewski müht sich gegen Lakatus zum KO-Erfolg und Ottke und Hoffmann behalten ihre Titel. Der Weg durch das Archiv führt entweder über die Rubrik, wenn ein Zeitraum gesucht wird, oder über den Boxerindex, wenn ein Name gesucht wird. Für die reinen Zahlen einer Karriere sind die Kampfrekorde der kürzeste Weg, und zwei davon lassen sich im Rekord-Vergleich unmittelbar nebeneinanderlegen.

Häufige Fragen zu diesem Beitrag

Wann ist dieser Beitrag erschienen und in welcher Rubrik steht er?

Er trägt das Datum 14. Juni 2002 und gehört zur Rubrik Kampfberichte, die im Archiv 35 Beiträge umfasst. Aus dem Jahr 2002 stammen davon 5.

Ist der Text gegenüber der ursprünglichen Fassung verändert worden?

Inhaltlich nicht. Entfernt wurden Navigation, Werbeflächen und Seitenfuß, hinzugekommen sind die Angaben zu Rubrik, Jahr und Umfang neben dem Text. Der Beitrag selbst gibt den Kenntnisstand von 2002 wieder und wird nicht an spätere Entwicklungen angepasst.

Welche Boxer werden in diesem Beitrag genannt?

Namentlich Vitali Klitschko. Zu keinem dieser Namen ist im Archiv ein vollständiger Kampfrekord erhalten. Weitere Beiträge zu einem bestimmten Namen erschließt der Boxerindex.

Welche Beiträge stehen im Archiv unmittelbar davor und danach?

Innerhalb der Rubrik Kampfberichte steht dieser Beitrag an 4. Stelle von 35. Davor liegt "Ottke und Hoffmann behalten ihre Titel" aus 2002. Danach folgt "Roy Jones bestraft Richard Hall" aus 2002.

Wie umfangreich war der ursprüngliche Beitrag und sind Fotos erhalten?

Der ursprüngliche Beitrag umfasst 2.624 Wörter Fließtext; innerhalb seiner Rubrik steht er damit an 6. Stelle von 35. Erhalten sind 5 Originalaufnahmen, die breiteste davon misst 282 Pixel. Es sind Webbilder ihrer Zeit; sie werden in der Breite gezeigt, die die jeweilige Datei hergibt, und nicht darüber hinaus vergrößert.