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Ottke und Hoffmann behalten ihre Titel


Ottke und Hoffmann behalten ihre Titel

Acht interessante Kämpfe standen an diesem Abend in der ARENA in Nürnberg an, wovon die beiden Hauptkämpfe die größte Spannung versprachen: Timo Hoffmann verteidigte seinen IBF-Intercontinental-Titel gegen Ross Puritty und Sven Ottke seinen IBF-Weltmeistergürtel gegen Thomas Tate . Dabei soll insbesondere das Ende des Hoffmann-Kampfs näher beleuchtet werden - der Skandal, der keiner war. Außerdem berichtet BoxingPress wie gewohnt auch über die Rahmenkämpfe, da diese leider in der Fernsehberichterstattung meist wenig bis gar nicht gewürdigt werden.

Den Kampfabend läutete der deutsche Cruisergewichtler Pierre Vogel (5-0-1 (2)) gegen den Kroaten Radmillo Soda (3-2 (1)) ein. Soda machte optisch einen guten Eindruck und kam austrainiert in den Ring, Vogel wirkte im Vergleich dazu weniger hart und muskulös. In einem ausgeglichenen Duell über sechs Runden landeten beide Boxer viele Körpertreffer. Es zeigte sich jedoch, dass keiner der beiden über einen Punch verfügte, der es ihm gestattete, den anderen auszuknocken. Am Ende stand ein Punktsieg für Pierre Vogel.

Leider war auch hier wieder die von BoxingPress bereits wiederholt kritisierte Unsitte festzustellen, dass bei Rahmenkämpfen die Punktewertungen nicht einzeln vorgelesen wurden, sondern nur mitgeteilt wurde, dass Vogel nach Punkten gewonnen habe. So lässt sich leider nicht sagen, ob es sich um eine vertretbare knappe Entscheidung oder um eine grobe Fehlentscheidung handelte. Wäre es soviel verlangt, sich 30 Sekunden Zeit zu nehmen und die einzelnen Richterstimmen vorzulesen? BoxingPress sah den Kampf unentschieden und hätte im Falle einer Entscheidung eher den Kroaten vorne gehabt. Für Pierre Vogel wird es noch ein langer Weg werden zu größeren Aufgaben. Wer gegen einen drittklassigen Gegner wie Radmillo Soda nicht überzeugen kann, wird erhebliche Probleme gegen die besseren Gegner in dieser Gewichtsklasse bekommen.

Glücklicherweise wurden in den übrigen Rahmenkämpfen die Punkterichter nicht mehr benötigt: So gelang Halbschwergewichtler Kai Kurzawa (4-0 (4)) bereits in der ersten Runde ein Niederschlag gegen Stephan Riegler (4-3 (1)), welcher in erster Linie durch seine außergewöhnliche Irokesenfrisur mit eingefügtem Muster auffiel. Anschließend hatte Kurzawa jedoch mehr Probleme mit Riegler, der in der Ecke von Silke Weickenmeier betreut wurde, als es nach dem frühen Niederschlag zu erwarten war. In der vierten Runde erlitt Riegler dann einen stark blutenden Cut und wurde nach einem Wirkungstreffer angezählt. Am Ende der vierten Runde gab Riegler auf - eine vernünftige Entscheidung, da er gegen den Sauerland-Schützling Kurzawa zu keinem Zeitpunkt eine echte Siegchance hatte. Kai Kurzawa ist ein Boxer, den man im Auge behalten sollte.

Ottke und Hoffmann behalten ihre Titel

Istvan Kecskes (2-2 (1)) aus Ungarn war der Mann, der gegen den Schauspiel-Bösewicht und ungeschlagenen Schwergewichtler Cengiz Koc (9-0 (6)) antrat. Bereits aufgrund des schwabbeligen Äußeren des Ungarn, der weit davon entfernt war, austrainiert zu sein, war zu befürchten, dass der Kampf nicht lange dauern würde. So kam es dann auch: Nach zwei Niederschlägen bereits in der zweiten Runde wurde Kecskes ausgezählt. Nach dem mehr als glücklichen Punktsieg in seinem letzten Kampf bekam Cengiz Koc diesmal den erwartet leichten Gegner. Beweisen konnte er an diesem Abend freilich nichts. Kämpfe gegen Schwabbelbäuche bringen Koc nicht weiter, wenn er einen Titel anstrebt.

Im vierten Kampf traf Routinier Nordin Ben-Salah (32-1-1 (23)) aus den Niederlanden im Supermittelgewicht auf den US-Amerikaner Sebastian Hill (6-4 (4)). Dieser war wenigstens darum bemüht, einen guten Kampf zu machen und zeigte Siegeswillen, was bei Rahmenkämpfern nicht immer selbstverständlich ist. In der zweiten Runde gingen beide Kämpfer in einer Art Ringkampf gemeinsam zu Boden. Dann deckte Nordin, der sich wie gewohnt in körperlich hervorragender Verfassung präsentierte, seinen Gegner mit einem Schlaghagel ein, von dem sich dieser nicht mehr erholte. Sebastian Hill wurde noch in derselben Runde ausgezählt. Eine gute Leistung von Fighting Nordin, der sicherlich gerne noch mehr gezeigt hätte.

Nachträglich ins Kampfprogramm gerutscht war Weltergewichtler Oktay Urkal (29-1 (9)) aus Berlin, dessen geplanter EM-Kampf leider nicht zustande kam, so dass er in Nürnberg mitboxen durfte. Als Gegner wurde ihm Michael Durovic (3-7-1) aus Tschechien vorgesetzt, der mindestens einen ganzen Kopf kleiner als Urkal war. Durovic bemühte sich anfangs redlich, aber erfolglos, gegen die souveräne Deckung und die Schnelligkeit von Urkal anzukommen. In der dritten Runde deckte Urkal den Tschechen dann mit einem langen unbeantworteten Schlaghagel ein, woraufhin sich die tschechische Ecke entschloss, das Handtuch zu werfen. Zwar war Durovic nicht wirklich mitgenommen, dennoch war die Entscheidung nachvollziehbar, da er zu keinem Zeitpunkt eine Siegchance gegen Urkal hatte. Der "Ali aus Kreuzberg" zeigte erneut eine gute Leistung und bewies, dass mit ihm auch weiterhin in der Weltspitze zu rechnen sein wird. Einzige Schwäche ist seine mangelnde Schlagkraft, die er aber durch enorme Beweglichkeit und Schnelligkeit mehr als ausgleichen kann. Urkal wird sich sicherlich wieder eine Titelchance erboxen.

Nach den z.T. etwas vorhersehbaren Ergebnissen kam es dann im sechsten Kampf des Abends zu einer kleinen Sensation: Der Lokalmatador, Halbschwergewichtler Alexander Awdijan (7-0 (4)) aus Nürnberg, bekam mit Berry Lee Butler (10-10 (8)) aus den USA eine zwar schwere, aber eigentlich doch lösbare Aufgabe. Von Anbeginn machte der hervorragend austrainierte Amerikaner deutlich, dass er nicht gekommen war, um sich hinzulegen und seine Börse abzuholen. Er war gekommen, um zu siegen. Nach einer noch ausgeglichenen ersten Runde bekam Awdijan dann in der zweiten Runde erhebliche Probleme und musste mehrere schwere Wirkungstreffer einstecken. Nach dem dritten ging er zu Boden und wurde nur durch den Gong vor dem sicheren KO gerettet.

Es zeigte sich aber, dass die Rundenpause für den aus Armenien stammenden Nürnberger zu kurz war, um sich zu erholen. Der offensichtlich noch nicht wieder voll klare Awdijan lief in der folgenden Runde geradewegs in einen Schlag des Amerikaners hinein und blieb schwer getroffen am Boden liegen, woraufhin sein Trainer vor Ärger einen Gegenstand auf den Boden warf. Awdijan war nicht in der Lage, aus eigener Kraft wieder aufzustehen und wurde nach Untersuchung durch seine Betreuer in die Ecke zurückgebracht. Er konnte dann letztlich aber den Ring alleine verlassen. Seine Enttäuschung konnte er nicht verbergen. Eine schwere KO-Niederlage in Runde 3 für den Mann aus Nürnberg, der mit knapp 25 Jahren noch jung genug ist, um einen neuen Anlauf zu wagen. Awdijan sollte sich durch diese Niederlage nicht beeindrucken lassen und konsequent seinen Weg weiter gehen. Das boxerische Potential, um auf europäischer Ebene eine Rolle spielen zu können, hat er. Jetzt muss er beweisen, dass er auch psychisch gefestigt genug ist, einen schweren KO wie diesen wegzustecken.

Nach einer längeren Pause folgte der erste der beiden Hauptkämpfe und gleichzeitig wohl auch der spannendste Kampf des Abends, da der Ausgang völlig offen war. Timo Hoffmann (24-2 (14)) verteidigte seinen IBF-Intercontinental-Titel im Schwergewicht gegen den in Deutschland gut bekannten Ross Puritty (28-15-3 (24)). Eben dieser Puritty schlug vor einigen Jahren sensationell Wladimir Klitschko durch TKO in Kiew und stand vor kurzem immerhin lange Runden gegen dessen Bruder Vitali Klitschko , bevor er aufgrund einer Verletzung aus dem Kampf genommen werden musste. Dennoch darf man nicht vergessen, dass Puritty ein besserer Journeyman ist und keine Weltspitze. Als Prüfstein für Timo Hoffmann schien er jedoch ein geeigneter Gegner zu sein: Hart im Nehmen, siegeswillig und mit einem Punch ausgestattet. Nicht wenige Experten erwarteten eine vorzeitige Niederlage von Hoffmann.

Ottke und Hoffmann behalten ihre Titel

Zunächst bewies man aber von Seiten des Veranstalters Humor, als man Timo Hoffmann durch die in einem schwarzen Abendkleid auftretende Ringsprecherin Christine Neubauer nicht als "Die deutsche Eiche" ankündigen ließ, sondern mit seinem ursprünglich im Forum von BoxingPress entstandenen augenzwinkernden Spitznamen "Der Körper". Wenn man weiß, dass Hoffmann zwar groß und kräftig, aber nicht gerade mit einer Bodybuilder-Definition seines Körpers versehen ist, konnte man hier nur kräftig schmunzeln. Erfrischend, dass ein Profiboxer sich selbst einmal nicht so furchtbar ernst nimmt. In sportlicher Hinsicht sollte der Kampf allerdings kein Spaß, sondern ein schweres Stück Arbeit für den ebenso selbstbewussten wie sympathischen Deutschen werden...

In einem insgesamt langsamen Kampf dominierte der Wolke-Schützling den Amerikaner mit seiner Führhand und schlug fast ausschließlich Einzelhände. Kombinationen und Aufwärtshaken brachte er kaum. Zu ersten Höhepunkten kam es in der dritten Runde, als Puritty eine Serie von Körpertreffern landete, dann aber von Hoffmann in der Ecke gestellt wurde und eine Reihe klarer Einzeltreffer kassierte. Das Publikum forderte während des Kampfes immer wieder lautstark den Einsatz der Rechten von Hoffmann. Die kam jedoch nur sehr selten. Vermutlich hatte Wolke seinen Mann so eingestellt, dass die stets geschlossene Doppeldeckung unter allen Umständen beibehalten werden müsse, da man genau wusste, wie gefährlich Puritty werden kann, wenn der Gegner zu offen ist.

Das Publikum sah einen ganz anderen Kampf als zuletzt gegen Balu Sauer, in welchem Hoffmann viel in der Halbdistanz und im Infight arbeitete und zahlreiche Aufwärtshaken schlug. Dies war gegen Puritty so gut wie nie zu beobachten. Hoffmann war darauf bedacht, den Kampf aus der Distanz über seinen Jab zu kontrollieren und dies gelang ihm überwiegend gut. Beim Schlagabtausch sah der Deutsche dagegen nicht immer souverän aus. In einem technisch nicht eben hochwertigen Kampf bewies Timo Hoffmann Nehmerfähigkeiten und taktische Disziplin. Die Marschroute von Trainer Manfred Wolke erwies sich wie gewohnt als unattraktiv, aber effektiv.

Nach 12 Runden eines verbissenen, aber nicht gerade temporeichen Duells verlas Ringsprecherin Christine Neubauer in ihrem Debüt als Ansagerin die Punktewertungen. Ihren Angaben zufolge, sollte der ersten Punktrichter an Puritty 105 und an Hoffmann 103 Punkte vergeben haben, was nicht nur zu einem ungläubigen Stirnrunzeln bei jedem Boxfachmann führte (wie sollen so niedrige Punktzahlen bei einem 12-Runden-Kampf ohne Niederschläge und Punktabzüge zustande kommen?), sondern auch zu einem erstaunten Nachfragen von Ross Puritty bei der Ringsprecherin. Die versicherte ihm zunächst, dass das so korrekt sei.

Nach der folgenden Ansage von 117:111 Punkten für Puritty dämmerte dann auch den Verantwortlichen, dass hier etwas nicht stimmen konnte. Christine Neubauer hatte die Punktewertungen der beiden Boxer vertauscht und wollte nach Erkennen des Irrtums die Punktewertungen noch einmal richtig vorlesen. Dazu kam es jedoch zunächst nicht mehr, da ihr Versuch in einem ohrenbetäubenden, minutenlangen Pfeifkonzert der Zuschauer unterging, die offensichtlich einen Betrug zu Lasten von Puritty witterten. Zu Unrecht, wie sich später herausstellte. Nachdem das Kampfgericht die Punktewertungen nochmals überprüft hatte und der Ringsprecher der Vorkämpfe, Wolfgang Ley (Markenzeichen: "Das war Ihr Beifall für die ... Runde" ), das Mikrofon übernommen hatte, wurden die korrekten Punktewertungen verlesen: Punktrichter Montella wertete den Kampf mit 115:113, Punktrichter Küchler mit 117:111 und Punktrichter Uhrig mit 119:109 für Timo Hoffmann. Teile des Publikums waren mit dieser Entscheidung nicht einverstanden, weil sie einen Sieg von Puritty gesehen zu haben glaubten.

Aus Sicht von BoxingPress ging das Urteil völlig in Ordnung. Das Publikum schien vergessen zu haben, dass Puritty als Herausforderer den Kampf machen musste und dies nur in den Runden 8 bis 11 tat. BoxingPress wertete den Kampf mit 116:112 für Hoffmann. Der US-Amerikaner, mehrfacher Sparringspartner von Sauerland-Boxern, erweckte selten den Anschein, den Kampf gegen Hoffmann gewinnen zu wollen. Die Pfiffe des Publikums sind allerdings nicht recht nachvollziehbar, da aus sportlicher Sicht Hoffmann der Sieg zugesprochen werden musste. Selbst wenn man zwei enge Runden zugunsten von Puritty gab, konnte rechnerisch kein Sieg von ihm herauskommen. Hoffmann dominierte den Kampf mit seiner Führhand und setzte die klareren, saubereren Treffer. Puritty ließ an Aggressivität und Einsatz zu wünschen übrig und zeigte nicht genug, um seiner Rolle als Herausforderer gerecht zu werden. Der vermeintliche Skandal war also keiner.

Unschön und ärgerlich war dieser Eklat natürlich dennoch, weil er vermeidbar gewesen wäre. Auf der Pressekonferenz wurden die Dinge näher aufgeklärt: Der Fehler lag in erster Linie beim Kampfgericht, das die Schuld der Vertauschung der Punktewertungen auch voll auf sich nahm. Auf den offiziellen Kampfkarten waren die Punktewertungen korrekt eingetragen; lediglich der Schmierzettel, den man der Ringsprecherin gab, war falsch. Trotzdem kann man Christine Neubauer nicht völlig entlasten, da ein erfahrener Ringsprecher hätte merken müssen, dass eine Punktewertung von 105:103 (die später korrigiert wurde auf 115:113) nach einem 12-Runden-Kampf natürlich nicht richtig sein kann. Damit und mit den Publikumsreaktionen war Christine Neubauer in ihrem Debüt als Ringsprecherin sichtlich überfordert. Auch diesmal zeigte sich wieder, dass es wenig Sinn macht, Personen ohne Bezug zum Boxsport mit derartigen Aufgaben zu betrauen. Immerhin zeigte sie sich nach einer Pause gefasst und moderierte den nachfolgenden Ottke-Kampf souverän.

Schade war es, dass Hoffmann nach seinem geradezu enthusiastischen Empfang durch das Nürnberger Publikum durch diesen dummen Fehler des Kampfgerichts um seinen verdienten Applaus gebracht wurde. Wären die Punktewertungen von Anfang an richtig vorgelesen worden, hätte bestimmt auch das Nürnberger Publikum die unspektakuläre, aber äußerst disziplinierte Leistung Hoffmanns entsprechend gewürdigt. So blieb Hoffmann nur der schnelle Abgang aus dem Ring, während Puritty sich von Teilen der Zuschauer feiern ließ. Die langanhaltenden Pfiffe gegen Hoffmann waren unberechtigt, da der Deutsche alles gab im Kampf und nicht für den Fehler des Kampfgerichts bzw. die Unerfahrenheit der Ringsprecherin verantwortlich gemacht werden konnte.

Der folgende Hauptkampf verlief und endete dann mehr nach dem Geschmack der Zuschauer. Sven Ottke (26-0 (5)) verteidigte zum 14. Mal seinen IBF-Weltmeistertitel im Supermittelgewicht. Gegner war der Herausforderer Thomas Tate (41-6 (28)) aus den USA. Dieses Duell war nicht ohne Brisanz, hatte doch Ottke bereits einmal gegen Tate geboxt und nach Meinung vieler Boxfans nur glücklich gewonnen. Der Kampf wurde damals nach einem schweren Cut über Ottkes Auge abgebrochen und zugunsten des Deutschen ausgepunktet, weil man den Kopfstoß, der den Cut verursacht haben soll, als absichtlich von Tate wertete. Die Meinungen darüber sind bis heute geteilt, umso mehr brannte Tate auf die Revanche.

Zuvor mussten die Zuschauer jedoch eine Playback-Performance der deutschen Gruppe H-Blockx über sich ergehen lassen, die eigens hierfür mit dem Hubschrauber von einem Konzertgig eingeflogen worden waren. Wenn man schon so einen Aufwand betreibt, hätte man die Jungs wenigstens live rappen lassen können.

Der Kampf verlief dann, wie man es vom deutschen Weltmeister gewohnt ist: Mit hohem Tempo und großer Beweglichkeit überbrückte Ottke die Distanz und bewegte sich ebenso schnell wieder heraus. Der Deutsche brillierte darüber hinaus durch sein gutes Auge und seine Schnelligkeit. In der zweiten Runde gelang es Ottke dann überraschend, mit einer Kombination und einem Schlag aufs linke Ohr einen Niederschlag gegen Tate zu erzielen, nachdem dieser gerade mehrere gute Treffer gelandet hatte. Vermutlich bei dieser Aktion riß Tate das Trommelfell. Auf der anschließenden Pressekonferenz fehlte der US-Amerikaner nämlich, da er im Krankenhaus war wegen eines gerissenen Trommelfells und weil er über dem Auge genäht werden musste. Tate überstand den Niederschlag aber, ohne dass Ottke ihn noch einmal in Bedrängnis bringen konnte.

In der vierten Runde zeigte Ottke mehrere schöne Kombination, wurde aber gleichzeitig ein wenig leichtsinnig und musste aufpassen, dass er nicht zu offen boxte. In der neunten Runde ging Tate in den Ringseilen zu Boden, wurde aber zu recht nicht angezählt, da Ottke ihn mehr geschubst als geschlagen hatte.

In den anderen Runden spielte der Weltmeister aus Karlsruhe seine Stärken aus und ließ Thomas Tate schlecht aussehen. Der Amerikaner war zwar aktiv, fand aber nicht zu seinem Kampf. Insgesamt hatte man den Herausforderer viel stärker erwartet, der US-Amerikaner enttäuschte durch seine Einfallslosigkeit. Ottke war besser auf seinen Gegner eingestellt als noch im ersten Kampf und ließ den Amerikaner nicht zum Zuge kommen. Was immer Tate auch versuchte, Ottke war meist schneller. Erfreulich, dass Ottke das unschöne Auf-den-Mann-Springen, Klammern und Beschweren beim Ringrichter weitgehend abgestellt hat. Weniger erfreulich, aber dennoch unterhaltsam die Anweisung seines Trainers Ulli Wegner gegen Ende der Distanz: "Tu doch nur so, als ob Du was machst!"

Am Ende werteten die drei Punkterichter mit 116:111, 119:108 und 118:109 einstimmig für Sven Ottke. BoxingPress gab alle Runden an Ottke und sah den Kampf mit 120:107 sogar noch deutlicher für den Weltmeister aus Karlsruhe. Wenngleich die letzten zwei Runden knapp gewesen sein mögen, fand Tate zu keiner Zeit ein Mittel gegen den Deutschen und konnte nicht überzeugen in seiner Rolle als gefährlicher Pflichtherausforderer. Sven Ottke lieferte eine gewohnt gute und souveräne Leistung ab und fuhr einen haushohen und verdienten Punktsieg ein.

"Heute hat der Boxer gegen den Puncher geboxt. Wir haben gesehen, wer der bessere Boxer ist. Man muss nicht immer hart schlagen. Ein bisschen Denken beim Boxen kann vorteilhaft sein. Ich bin zufrieden, den Leuten gezeigt zu haben, wo der Hammer hängt," erklärte Ottke nach dem Kampf. Der geschlagene Kontrahent zollte dem Weltmeister und seinem Publikum Respekt: "Ich habe wirklich alles gegeben. Das Publikum war toll. Ich habe hier verloren, aber die Zuschauer in Deutschland sind gut," sagte Tate nach dem Kampf. Für seinen Gegner hatte er ebenfalls lobende Worte übrig: "Er hat vielleicht nicht die Punching Power, aber er ist ein kluger Boxer."

Bei der anschließenden Pressekonferenz lobte Trainer Uli Wegner seinen Schützling besonders für dessen Disziplin, dass er die taktische Marschroute eingehalten und den Sieg souverän nach hause gebracht habe, ohne zuviel zu riskieren. Auf die Frage von BoxingPress, ob es nicht eine besondere sportliche Herausforderung für Sven Ottke wäre, einen der anderen drei Weltmeister zu boxen, reagierte dieser etwas ungehalten und meinte, beim WBC sei sein Stallkollege Markus Beyer zunächst dran und der WBA-Champion Byron Mitchell werde von Don King gemanagt, mit dem es bekanntlich schwer sei, Verträge zu machen. Die WBO sei für ihn nicht interessant und Joe Calzaghe käme nur bei einem Kampf um seinen (Ottkes) IBF-Titel als Gegner in Frage. Nach Dariusz Michalczewski als Gegner gefragt, antwortete Manager Wilfried Sauerland , dass das eine interessante Möglichkeit sei, bei der aber der Gewichtsunterschied ein Problem sei. Falls dieser Kampf stattfinden sollte, würde es sich um einen Nicht-Titelkampf handeln.


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Der Beitrag stammt vom 05. Juni 2002 und steht in der Rubrik Kampfberichte. Sie versammelt 35 Beiträge aus dem Archiv, 5 davon aus demselben Jahr. Der ursprüngliche Beitrag umfasst 2.831 Wörter Fließtext und liegt damit an 4. Stelle des Umfangs innerhalb dieser Rubrik. Die Einordnung folgt der Adresse, unter der er ursprünglich erschienen ist, und nicht einer nachträglichen Bewertung des Inhalts: Eine heute vorgenommene Zuordnung wäre eine Vermutung, und eine falsche Vermutung fiele später niemandem mehr auf.

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Genannt werden in diesem Beitrag Wladimir Klitschko, Vitali Klitschko, Sven Ottke, Timo Hoffmann und Oktay Urkal. Ein vollständiger Kampfrekord ist zu keinem dieser Namen erhalten. Weitere Beiträge, in denen sie vorkommen, erschließt der Boxerindex, der die Namen quer durch alle Rubriken zusammenführt.

In der zeitlichen Folge seiner Rubrik steht der Beitrag an 3. Stelle von 35. Davor liegt Michalczewski müht sich gegen Lakatus zum KO-Erfolg aus 2002. Danach folgt Vitali Klitschko TKO11 Ross Puritty aus 2002. Diese Reihenfolge ist die des Erscheinens und nicht die der Bedeutung; sie eignet sich, um einen Zeitraum am Stück zu lesen, und weniger, um einen einzelnen Namen zu verfolgen. Dafür ist der Boxerindex der kürzere Weg.

In derselben Rubrik stehen unter anderem Beyer vs. Catley -- Der Bericht, Michalczewski müht sich gegen Lakatus zum KO-Erfolg und Roy Jones bestraft Richard Hall. Der Weg durch das Archiv führt entweder über die Rubrik, wenn ein Zeitraum gesucht wird, oder über den Boxerindex, wenn ein Name gesucht wird. Für die reinen Zahlen einer Karriere sind die Kampfrekorde der kürzeste Weg, und zwei davon lassen sich im Rekord-Vergleich unmittelbar nebeneinanderlegen.

Häufige Fragen zu diesem Beitrag

Wann ist dieser Beitrag erschienen und in welcher Rubrik steht er?

Er trägt das Datum 05. Juni 2002 und gehört zur Rubrik Kampfberichte, die im Archiv 35 Beiträge umfasst. Aus dem Jahr 2002 stammen davon 5.

Ist der Text gegenüber der ursprünglichen Fassung verändert worden?

Inhaltlich nicht. Entfernt wurden Navigation, Werbeflächen und Seitenfuß, hinzugekommen sind die Angaben zu Rubrik, Jahr und Umfang neben dem Text. Der Beitrag selbst gibt den Kenntnisstand von 2002 wieder und wird nicht an spätere Entwicklungen angepasst.

Welche Boxer werden in diesem Beitrag genannt?

Namentlich Wladimir Klitschko, Vitali Klitschko, Sven Ottke, Timo Hoffmann und Oktay Urkal. Zu keinem dieser Namen ist im Archiv ein vollständiger Kampfrekord erhalten. Weitere Beiträge zu einem bestimmten Namen erschließt der Boxerindex.

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Innerhalb der Rubrik Kampfberichte steht dieser Beitrag an 3. Stelle von 35. Davor liegt "Michalczewski müht sich gegen Lakatus zum KO-Erfolg" aus 2002. Danach folgt "Vitali Klitschko TKO11 Ross Puritty" aus 2002.

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