Leserumfragen Leserumfrage
Die große Jahresumfrage 2005 - Die Ergebnisse
• Auf Platz fünf gelangte mit 7,97 % das zweite Duell zwischen der deutschen Vorzeigeboxerin Regina Halmich (Foto) und Elena Reid . Die Entscheidung im ersten Duell der beiden Damen kann nur als Zumutung bezeichnet werden. Dies war spätestens im Vorfeld des zweiten Kampfes allen Beteiligten und auch der Öffentlichkeit klar und so versuchte der Veranstalter und der übertragende Fernsehsender diese Fehlentscheidung zu Promotionszwecke zu verwenden. Man wollte Halmich die Chance geben, sich zu rehabilitieren. Zwölf Runden konnte man dann einen hochwertigen Damenkampf beobachten und wurde am Ende Zeuge medialer Beeinflussung. Reporter und Printpresse berichteten nach dem Kampf von einem eindeutigen und klaren Punktsieg Halmichs, sahen die Anwaltsgehilfin als rehabilitiert an und buchten die erste Fehlentscheidung im ersten Kampf als Schlechtleistung ab, die nunmehr abgeschrieben sei. Als objektiver Beobachter konnte man sich jedoch nur über diese Aussagen wundern. Freilich, das Duell war nicht so einseitig wie das erste Duell, vielmehr war es ein sehr schwer zu wertender, enger Kampf. Doch auch beim zweiten Duell der beiden Damen hätte es Elena Reid verdient gehabt, den Gürtel mit nach Hause zu nehmen. Zwar bestimmte Halmich das Tempo, Reid verstand es jedoch glänzend, im Rückwärtsgang ihre Gegnerin oft klar zu treffen. Die BP-Scorecard wies am Ende Elena Reid mit zwei Punkten Vorsprung als Siegerin aus. Angesichts der medialen Beeinflussung des deutschen Publikums interessierte dies jedoch nur die wenigsten. Nicht zu fassen!
• Auf Platz vier wählten unsere Leser mit 11,96 % das Duell zwischen Vladimir Virchis und Michael Sprott (Foto) . Die Zuschauer, die diesen Kampf live auf Eurosport verfolgen konnten, wurden fassungslose Zeugen, als nach Ende des Kampfes die Entscheidungen der Punktrichter Van Grootenbruel , Jacobsen und Ellensohn verlesen wurde. Trotz eindeutiger Dominanz wurde der Brite als Verlierer aus dem Ring geschickt. Mit einem spöttischen Lächeln konnte der Boxfan im Anschluss die Berichterstattung auf einer großen amerikanischen Internetseite zum Berufsboxen verfolgen. Wurde die erste Meldung noch von einem Mitarbeiter des Veranstalters geschrieben, welcher die Entscheidung als eindeutiges und gerechtes Urteil verkaufen wollte, musste die Internetseite nach Protesten echter Boxfans die Berichterstattung revidieren. Wirklich witzig!
• Platz drei geht mit 18,60 % an das Duell der deutschen Eiche Timo Hoffmann (auf Foto links) und des australischen Haudegen Bob Mirovic . Timo Hoffmans Taktik, jeden Schlag Mirovics mit dem Gesicht zu stoppen ging auf. Dieser Taktik zollten dann auch die Punktrichter Respekt und sprachen dem deutschen Bäckergesellen den Sieg zu. Im anschließenden Interview gab sich der Sieger dann auch recht kleinlaut. Was soll man da noch sagen?
Nicolay Valuev (Foto unten) wird dieses Jahr eine besondere Ehre zuteil, denn er ist bei der Umfrage in dieser Kategorie sowohl beim zweiten als auch beim ersten Platz beteiligt.
• Platz zwei (24,58 %) geht an sein Duell gegen Larry Donald . Der Amerikaner, der sich gerne mit Muhammad Ali vergleicht, tanzte tatsächlich wie ein Schmetterling um seinen Gegner und stach auch gelegentlich zu wie eine Biene. Schade, dass sich ein russischer Bär von einem Bienenstich nicht aus dem Tritt bringen lässt, da müsste wohl ein ganzer Bienenschwarm her. Lassen wir mal die Apis Mellifera und den Ursus beiseite, es ist einfach nur traurig, wenn ein Boxer seinen Gegner klar ausboxt und dann als Verlierer aus dem Ring steigen muss.
• Platz eins geht mit 28,57 % an ein Duell, das die momentane Situation des Schwergewichts offen legt. Der völlig talentlose, aber körperlich beeindruckende Herausforderer, der eigentlich seinen letzten Kampf verloren hat, tritt gegen den „Weltmeister“ John Ruiz an, dessen Kämpfe eher an Valium erinnern, weil sein Kampfstil so unanschaulich ist, dass das Eintrittsgeld für seine Kämpfe dem Zuschauer eigentlich als Schmerzensgeld bezahlt werden müsste. Trotzdem gelingt es Ruiz oft, seinen Stil dergestalt anzuwenden, dass der Gegner daran verzweifelt und auch verliert. Boxer wie Andrew Golota , Hasim Rahman oder Fres Oquendo können ein Lied davon singen, wie es ist, dem schlechteren Boxer zu unterliegen und hierbei fast zu verzweifeln. Auch Nicolay Valuev verzweifelte an dem ringerähnlichen Stil des Weltmeister und, man glaubt es kaum, verließ dennoch den Ring als Sieger. Wirklich eigenartig war der anschließende Kommentar des Promoters Don King , der eigentlich die Interessen von John Ruiz vertritt. King, dessen Fachkompetenz nicht in Frage steht, verteidigte den Punktentscheid, obwohl auch er wusste, dass Ruiz den Kampf eigentlich gewonnen hatte. Die Tatsache, dass Ruiz fast nicht zu vermarkten ist, Valuev hingegen nunmehr zu Werbezwecken auf das Empire State Building gestellt werden soll, könnte ein Argument für Don Kings Aussage sein. Pecunia non olet!
Was hat das alles nun mit Frank Abagnale Jr. zu tun? Erinnern Sie sich, jemand hat etwas erreicht ohne hierfür berechtigt zu sein, Valuev ist Weltmeister, obwohl er eigentlich seine beiden letzten Kämpfe verloren hat. Wo bitte ist Carl Hanratty? Freitag, 17. März 2006