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Vitali Klitschko vs. Corrie Sanders - Der Bericht
Vitali Klitschko ( Foto oben, BP-Nr. 1 ) war im Laufe der letzten zwei Wochen sicher nicht zu beneiden. Für ihn ging es gestern im Kampf gegen Corrie Sanders ( BP-Nr. 6 ) im Staples Center von Los Angeles, Kalifornien, nicht nur um die WBC-Weltmeisterschaft im Schwergewicht, sondern um die Verwirklichung zumindest eines Teils des Traumes der Brüder Klitschko, einmal gleichzeitig Weltmeister zu sein, und nicht zuletzt auch um die Revanche an dem Mann, der vor etwas mehr als einem Jahr seinen Bruder Wladimir so überraschend und deutlich besiegt hatte.
Dementsprechend angespannt wirkte der 32-jährige Ukrainer gestern beim Einmarsch in den Ring. Aber auch Sanders ( auf Foto links ) machte lange nicht mehr den lockeren, fast provozierend gelassenen Eindruck, den er in den Tagen zuvor hinterlassen hatte. Zudem sah der bereits 38-jährige Südafrikaner, im Gegensatz zu Klitschko, nicht wirklich austrainiert aus. Bereits vor dem Kampf gab es viele Stimmen, die anzweifelten, dass Sanders in der Lage sein würde, die volle Distanz zu gehen und er wahrscheinlich eine vorzeitige Entscheidung suchen würde.
Tatsächlich hielt sich der ehemalige Polizist aus Pretoria in der ersten Runde zunächst zurück, während er Klitschko auf sich zukommen ließ und suchte Lücken für seine schnell geschlagenen Konter. Dies gelang Sanders zu Beginn eher selten, da der Ukrainer noch recht vorsichtig agierte. Doch in der zweiten Hälfte der Runde kam er mehrmals durch und konnte seinen Gegner sogar mit einer linken Geraden deutlich beeindrucken. Klitschko gelang es, durch Klammern weitere Treffer zu vermeiden, musste aber dennoch kurz zu Boden. Allerdings wertete dies Ringrichter Jon Schorle zurecht nicht als Niederschlag.
In den nächsten zwei Runden fand Vitali Klitschko besser in den Kampf. Vom Südafrikaner ging zwar stets aufgrund seiner überfallartigen Attacken Gefahr aus, doch der Boxer aus dem Universum-Boxstall traf nun deutlich öfter sowohl mit seiner Führhand als auch mit seiner Rechten. So bildete sich bald unter Sanders rechtem Auge eine Schwellung. Zum Ende des dritten Durchgangs entwickelte sich ein fast offener Schlagabtausch. Beide Boxer landeten klare Treffer, doch Klitschko hatte stets mindestens eine Hand mehr im Ziel.
Bereits von der Auseinandersetzung gezeichnet und merklich langsamer, schalteten die zwei Kontrahenten in Runde vier einen Gang zurück. Doch Klitschko blieb beständig im Vorwärtsgang und zog das Tempo in der nachfolgenden Runde wieder an. Zur Mitte des Durchgangs ging dann Sanders ( Foto ) in die Offensive über und kam mehrmals mit der Linken ins Ziel. Dabei fing er sich jedoch zahlreiche harte Treffer des Ukrainers ein und schien sogar angeschlagen, als er nach dem Gong zur Pause auf leicht wackeligen Beinen in seine Ecke taumelte. Trotzdem griff er auch im sechsten Durchgang wieder an und schien sogar erstmals nach der Eröffnungsrunde wieder eine Runde für sich entscheiden zu können, aber Klitschko fightete zurück und behielt aufgrund der Mehrzahl an Treffern erneut das bessere Ende für sich. Doch die letzten zwei Runden hatte beide Boxer offensichtlich viel Kraft gekostet.
Zu Beginn der siebten Runde schien Sanders nochmals die letzten Reserven zu mobilisieren und versuchte im Vorwärtsgang doch noch entscheidend durchzukommen. Aber seinen Aktionen fehlte inzwischen viel ihrer ursprünglichen Schnelligkeit und Präzision. Daher gelang es Klitschko, obwohl inzwischen selbst schwer atmend, Treffer zu vermeiden und Konter anzubringen. Jedoch ließen inzwischen auch seine Schläge die entscheidende Härte vermissen. Dieses Bild setzte sich in Runde acht fort, als der Südafrikaner total erschöpft seine letzte Kraft in wilden Schwingern ließ, denen er hinterherfiel. Schließlich gelang es Vitali Klitschko, seinen Gegner mit mehreren harten Treffern in die Ringseile zu befördern. Bevor der ukrainische Hüne richtig nachsetzen konnte, warf sich der Ringrichter dazwischen und brach den Kampf völlig zurecht ab. Sanders schien stehend KO zu sein und blutete aus mehreren Cuts. Aber auch der frisch gebackene WBC-Weltmeister machte im anschließenden Fernseh-Interview einen äußerst erschöpften Eindruck.
Corrie Sanders hatte bereits im Vorfeld für den Fall einer Niederlage sein Karriereende angekündigt. Vitali Klitschko jedoch gab bekannt, als nächstes am liebsten gegen seinen Vorgänger und ehemaligen Gegner, Lennox Lewis ( Foto ), antreten zu wollen. Sonntag , 25. April 2004