boxingpress Boxen · Wetten · Archiv

Kampfberichte Kampfbericht

Regina Halmich vs. Elena Reid - Der Bericht


Regina Halmich vs. Elena Reid - Der Bericht

Regina Halmich (Foto oben) behält ihren WIBF-Weltmeistertitel im Fliegengewicht durch ein fragwürdiges Unentschieden in der dm-arena in Karlsruhe gegen die US-Amerikanerin Elena "Baby Doll" Reid . Nach einem für Frauenboxverhältnisse hochklassigen und spannenden Kampf wurde die Herausforderin durch die Punktrichter um ihren verdienten Sieg gebracht. Zuvor hatte Silke Weickenmeier in einem ansonsten schwachen Rahmenprogramm ihren GBU-Titel im Juniorfedergewicht durch Punktsieg gegen Austria Urbaez Urena aus der Dominikanischen Republik verteidigt.

Zum zweiten Mal war Regina Halmich in ihrer Heimatstadt Karlsruhe in der zur Neuen Messe gehörenden dm-arena zu Gast. Fans, die sich außerdem auch auf Bert Schenk (Foto) und Alexander Dimitrenko gefreut hatten, welche seit Wochen auf Plakaten quer durch die Stadt angekündigt gewesen waren, wurden enttäuscht. Weder der ehemalige WBO-Weltmeister im Mittelgewicht noch der Universum-Hoffnungsträger im Schwergewicht kämpfte an diesem Abend in Karlsruhe.

Statt dessen begann die Veranstaltung mit der erst 16-jährigen Sandra Schreibe r (1-1-1), die durch einen klaren Punktsieg (40:35, 40:35, 39:36) ihren vierten Profikampf im Federgewicht gegen Pavla Stankeova (0-2-0) aus der Tschechischen Republik gewann. Mit Boxen hatte das ungestüme Geklammere der beiden jungen Damen allerdings wenig zu tun.

Ayk Frigger (Foto, 2-1-0), bis vor kurzem noch als Ayk Asik bekannt, hatte es anschließend im Mittelgewicht mit dem aggressiven Slovaken Peter Durdik (1-3-0) zu tun. Von Anfang an attackierte dieser den Karlsruher mit wilden Schwingern, die häufig ihr Ziel trafen. In der vierten Runde zählte der Ringrichter Frigger im Stehen an und nahm ihn bei "10" wegen angeblicher Kampfunfähigkeit aus dem Kampf. Das Anzählen war ebenso unberechtigt wie der Abbruch. Eine seltsame Entscheidung des Unparteiischen.

Regina Halmich vs. Elena Reid - Der Bericht

Noch enttäuschender verlief der nächste Kampf im Supermittelgewicht: Zaur Jangubaev (Foto, 1-1-0) erzielte kurz nach dem ersten Gong einen schweren Niederschlag gegen den Slovaken Slavomir Dendis (1-13-0). Nach einem weiteren Niederschlag in derselben Runde gab der Slovake auf.

Stimmung kam in der Halle zum ersten Mal im vierten Kampf auf. Die mitgereisten Fans aus Speyer bereiteten ihrer Silke Weickenmeier (Foto, 16-3-3) einen großartigen Empfang mit Trommeln und Trompeten. Die Deutsche hatte dann im Juniorfedergewicht mit ihrer Gegnerin Austria Urbaez Urena (6-2-1) aus der Dominikanischen Republik auch nicht viel Probleme. Sie brachte die Herausforderin einige Male in Schwierigkeiten und gewann souverän und verdient mit 99:91, 100:90 und 99:91.

Anschließend sah das Karlsruher Publikum im ersten Schwergewichtskampf des Abends sechs Runden lang zu, wie der Lokalmatador Marcel "The Highlander" Zeller (Foto, 5-2-0) im Schottenrock sich abmühte, eine Lücke in der Deckung seines völlig passiven Gegners Darco Antonic zu finden. Antonic stammt aus Montenegro und lebt jetzt in Baden-Baden. Offensichtlich verbringt er seine Zeit dort vorwiegend im Kasino und in Heilquellen, denn anscheinend hatte ihm niemand in der Kurstadt gesagt, dass er bei seinem Profidebüt auch zurückschlagen dürfe. So beschränkte er sich darauf, zahlreiche Körpertreffer zu kassieren und nicht KO zu gehen, was ihm schließlich durch ständiges Klammern auch gelang. Am Ende stand mit 60:53 (einstimmig) ein verdienter Puntksieg für den Karlsruher Marcel Zeller.

Einen weiteren unwilligen Boxer sah das Publikum im sechsten Kampf, als der Ungar Alex Kosztopulosz (1-6-1) nach wenigen Sekunden der ersten Runde der Ansicht war, nach einem Körpertreffer durch Schwergewichtler Egon Roth (5-0-0) aus Hamburg nicht mehr weiterboxen zu können.

Nach diesen überwiegend enttäuschenden Vorkämpfen, deren Qualität zwischen durchschnittlich bis grausam pendelte, konnte nur noch ein packender Hauptkampf die zahlenden Zuschauer entschädigen. Das tat er dann auch, jedoch wieder einmal - um es vorwegzunehmen - mit dem Universum-hauseigenen bitteren Nachgeschmack des verladenen Gastes. Elena Reid, ausgestattet mit dem völlig unpassenden Spitznamen "Baby Doll" (Babypuppe), begann von Anfang an aggressiv und offensiv. Die Titelverteidigerin aus Karlsruhe fand in ihrer Heimatstadt kein wirksames Mittel gegen die schlagstarke Rechtsauslegerin aus den USA. Zwar hielt Halmich tapfer dagegen und suchte die Konfrontation, nahm aber viel zu viele Schläge. Sie bewies, dass sie austeilen kann und kein Risiko scheute, aber Reid brachte in den meisten Runden einfach mehr und klarere Treffer unter. Selbst wenn man zwei oder drei enge Runden an die Weltmeisterin gab, musste zumindest dem halbwegs fachkundigen Zuschauer klar sein, dass es diesmal nicht gereicht haben konnte, wenn alles mit rechten Dingen zuging. Ging es aber wohl nicht: Der erste Punktrichter sah Reid angemessen mit 97:93 vorne, der zweite sah ein befremdliches Unentschieden mit 97:97 und der dritte Punktrichter schien sich in einer anderen Halle bei einem anderen Kampf befunden zu haben. Anders lässt sich sein kaum vertretbares 94:98 zugunsten von Halmich, welches der Weltmeisterin unterm Strich ein Unentschieden und damit den Titelerhalt sicherte, kaum erklären.

Der Punktzettel des Autors dieses Artikels, live in der Halle mitgepunktet, sieht so aus (enge Runden wurden wegen WM-Bonus an die Weltmeisterin gegeben):

Regina Halmich vs. Elena Reid - Der Bericht

So behält Regina Halmich ihren WIBF-Weltmeistertitel und gab sich in den anschließenden Interviews für ihre Verhältnisse zurückhaltend. Elena Reid sei eine Gegnerin gewesen, die ihr alles abverlangt habe, so Halmich auf der Pressekonferenz. Sie hätte es auch akzeptiert, wenn die Amerikanerin mit einem Punkt Vorsprung gewonnen hätte. Mit dem Ergebnis sei sie einverstanden. Buhrufe in der Halle seien nicht angebracht gewesen, da es ein enger Kampf gewesen sei. Etwas deutlicher war ihr Trainer Torsten Schmitz : " Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen. " Bemerkenswert fair verhielt sich Elena Reid, die es vermied, von einem Fehlurteil oder gar Skandal zu sprechen, obwohl dafür jeder Verständnis gehabt hätte: " You all know, boxing is boxing ." ( Sie wissen alle, Boxen ist Boxen ). Vielmehr bedankte sie sich bei ihren Fans und meinte, sie sei gerne in Deutschland gewesen. Beide Boxerinnen äußerten ihre Hoffnung auf einen baldigen Rückkampf.

Dicke Luft herrschte übrigens zwischen Regina Halmich und Daisy Lang (Foto). Laut Halmich in einem Interview nach dem Kampf im Ring hatte Lang Halmichs Herausforderin Reid Tipps und Hinweise gegeben, wie man Halmich schlagen könne. Eine derartige Verhaltensweise durch eine Teamkollegin sei enttäuschend, so die Karlsruherin. Auf der nachfolgenden Pressekonferenz wollte die WIBF-Weltmeisterin die Thematik aber nicht mehr in der Öffentlichkeit vertiefen: " Das machen Daisy und ich unter uns aus. " Reid dementierte, geheime Tipps von Daisy Lang bekommen zu haben: " Wir haben nur zusammen in Las Vegas gesparrt. Tipps hat sie mir keine gegeben. Über Regina kann man alles aus Videos erfahren ." Weitere Fragen hierzu unterband Universum-Pressesprecher Dr. Christoph Rybarczyk dann sofort.

Es bleiben zwei Erkenntnisse: Erstens, dass zu einem gelungenen Kampfabend auch vernünftige Vorkämpfe gehören und nicht nur ein guter Hauptkampf. Zweitens, dass das bereits überwunden geglaubte Vorurteil "In Deutschland kann man als ausländischer Herausforderer nur durch KO gewinnen" seit Samstagabend neu aufleben wird.


Dieser Beitrag im Archiv

Der Beitrag stammt vom 14. September 2004 und steht in der Rubrik Kampfberichte. Sie versammelt 35 Beiträge aus dem Archiv, 5 davon aus demselben Jahr. Der ursprüngliche Beitrag umfasst 1.063 Wörter Fließtext und liegt damit an 22. Stelle des Umfangs innerhalb dieser Rubrik. Die Einordnung folgt der Adresse, unter der er ursprünglich erschienen ist, und nicht einer nachträglichen Bewertung des Inhalts: Eine heute vorgenommene Zuordnung wäre eine Vermutung, und eine falsche Vermutung fiele später niemandem mehr auf.

Zum Beitrag sind 8 Originalaufnahmen erhalten, die breiteste misst 268 Pixel in der Breite. Das ist die Größe, in der Bilder im Web dieser Jahre ausgeliefert wurden, und sie setzt die Grenze für die Darstellung: Eine Aufnahme wird höchstens auf das Doppelte ihrer eigenen Breite gebracht, weil darüber hinaus nur noch Unschärfe entsteht. Deshalb steht sie klein neben dem Text und nicht über ihm.

Genannt werden in diesem Beitrag Regina Halmich und Alexander Dimitrenko. Ein vollständiger Kampfrekord ist zu keinem dieser Namen erhalten. Weitere Beiträge, in denen sie vorkommen, erschließt der Boxerindex, der die Namen quer durch alle Rubriken zusammenführt.

In der zeitlichen Folge seiner Rubrik steht der Beitrag an 14. Stelle von 35. Davor liegt Vitali Klitschko vs. Corrie Sanders - Der Bericht aus 2004. Danach folgt 13. Boxweltmeisterschaft in China - Der Bericht aus 2005. Diese Reihenfolge ist die des Erscheinens und nicht die der Bedeutung; sie eignet sich, um einen Zeitraum am Stück zu lesen, und weniger, um einen einzelnen Namen zu verfolgen. Dafür ist der Boxerindex der kürzere Weg.

In derselben Rubrik stehen unter anderem Vitali Klitschko vs. Corrie Sanders - Der Bericht, Urkal bleibt Europameister, Hoffmann neuer WBO-Interkontinentalmeister und Markus Beyer vs. Danny Green - Die Vorkämpfe. Der Weg durch das Archiv führt entweder über die Rubrik, wenn ein Zeitraum gesucht wird, oder über den Boxerindex, wenn ein Name gesucht wird. Für die reinen Zahlen einer Karriere sind die Kampfrekorde der kürzeste Weg, und zwei davon lassen sich im Rekord-Vergleich unmittelbar nebeneinanderlegen.

Häufige Fragen zu diesem Beitrag

Wann ist dieser Beitrag erschienen und in welcher Rubrik steht er?

Er trägt das Datum 14. September 2004 und gehört zur Rubrik Kampfberichte, die im Archiv 35 Beiträge umfasst. Aus dem Jahr 2004 stammen davon 5.

Ist der Text gegenüber der ursprünglichen Fassung verändert worden?

Inhaltlich nicht. Entfernt wurden Navigation, Werbeflächen und Seitenfuß, hinzugekommen sind die Angaben zu Rubrik, Jahr und Umfang neben dem Text. Der Beitrag selbst gibt den Kenntnisstand von 2004 wieder und wird nicht an spätere Entwicklungen angepasst.

Welche Boxer werden in diesem Beitrag genannt?

Namentlich Regina Halmich und Alexander Dimitrenko. Zu keinem dieser Namen ist im Archiv ein vollständiger Kampfrekord erhalten. Weitere Beiträge zu einem bestimmten Namen erschließt der Boxerindex.

Welche Beiträge stehen im Archiv unmittelbar davor und danach?

Innerhalb der Rubrik Kampfberichte steht dieser Beitrag an 14. Stelle von 35. Davor liegt "Vitali Klitschko vs. Corrie Sanders - Der Bericht" aus 2004. Danach folgt "13. Boxweltmeisterschaft in China - Der Bericht" aus 2005.

Wie umfangreich war der ursprüngliche Beitrag und sind Fotos erhalten?

Der ursprüngliche Beitrag umfasst 1.063 Wörter Fließtext; innerhalb seiner Rubrik steht er damit an 22. Stelle von 35. Erhalten sind 8 Originalaufnahmen, die breiteste davon misst 268 Pixel. Es sind Webbilder ihrer Zeit; sie werden in der Breite gezeigt, die die jeweilige Datei hergibt, und nicht darüber hinaus vergrößert.