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13. Boxweltmeisterschaft in China - Der Bericht
Vom 13.11.2005 bis zum 20.11.2005 fand in China die 13. Boxweltmeisterschaft der Amateure statt. Wie erwartet kam es bei der Nationenwertung zum traditionellen Duell zwischen Kuba und Russland. Am Ende revanchierten sich die Kubaner für ihre Niederlage bei der Weltmeisterschaft 2003 und waren mit viermal Gold, einmal Silber und dreimal Bronze das erfolgreichste Team bei diesem Turnier. Trotz der neuen offenen Punktwertung kam es auch dieses Mal zu einigen umstrittenen Entscheidungen, was aber letztendlich im Boxsport aufgrund der Natur der Sache wohl nie vollständig vermieden werden kann. Russland holte dreimal Gold, einmal Silber und dreimal Bronze. Kasachstan war mit zweimal Gold und dreimal Bronze die drittstärkste Nation vor China und Korea. Deutschland konnte sich über einmal Silber und einmal Bronze freuen. Die Ergebnisse im einzelnen:
In dieser Gewichtsklasse blieb das große Favoritensterben zunächst aus. Die erfolgreichsten Boxer der letzten Jahre siegten in den Vorrunden relativ problemlos und dominierten das Teilnehmerfeld. Im Viertelfinale allerdings trafen die stärksten Kämpfer leider schon eine Runde zu früh aufeinander. Hier schlug der hochgehandelte und erst 18 Jahre alte Pal Bedak (HUN) den Welt- und Europameister Sergey Kazakov (RUS) mit 24:16. Wie bei der WM 2003 besiegte Zou Shiming (CHN) erneut seinen alten Rivalen Yan Bartlemy (CUB), allerdings dieses Mal etwas umstritten mit 12:10. Damit „rächte“ sich Zou Shiming an den kubanischen Olympiasieger 2004 für die Niederlage im Halbfinale beim letzten olympischen Turnier. Die lachenden Dritten: Birzhan Zhakypov (KAZ) und Sherali Dostiev (TJK), die sich über den Weg mit den „leichteren“ Gegnern einen sicheren Medaillenplatz ergatterten, im Halbfinale aber gegen den Ungarn bzw. den Chinesen chancenlos waren. „Alt gegen Jung“ lautete somit das Motto des Endkampfes und der junge Pal Bedak lieferte dem Chinesen vor dessen heimischen Publikum einen großen Fight, verlor aber am Ende doch eindeutig mit 13:31.
Bronze: Birzhan Zhakypov (KAZ), Sherali Dostiev (TJK) Silber: Pal Bedak (HUN) Gold: Zou Shiming (CHN)
51 kg - Fliegengewicht Der Kubaner Andry Lafita sorgte im Fliegengewicht gleich für mehrere faustdicke Überraschungen. Mit dem Titelverteidiger Sonjit Jongjihor (THA) und Vizeweltmeister Jerome Thomas (FRA) warf er zwei sichere Medaillenanwärter aus dem Rennen. Jahrelang galt Lafita hinter Leuten wie Maikro Romero , Yan Bartelemy oder Yuriolkis Gamboa als Boxer der sog. zweiten Garde im kubanischen Team. Mit 27 Jahren schaffte er jetzt erstmals seinen großen Durchbruch, auch wenn er am Ende dem überraschend starken Ok Sung Lee (KOR) mit 22:33 unterlegen war. Viel kann man in Zukunft vielleicht vom 18-jährigen Rau'Shee Warren (USA) erwarten, der im Viertelfinale den amtierenden Europameister Georgy Balakshin (RUS) ausboxte und klar nach Punkten besiegte, auch wenn er im Halbfinale gegen Ok Sung Lee (KOR) die Segel streichen und sich mit Bronze zufrieden geben musste. Gerüchten zufolge soll der Amerikaner mit einem Wechsel ins Lager der Berufsboxer liebäugeln. Gleiches gilt für Juan Payano (DOM), der bei diesem Turnier ebenfalls überzeugte und sich erst im Viertelfinale dem Mann aus Kuba geschlagen geben musste.
Bronze: Rau'Shee Warren (USA), Mirat Sarsembayev (KAZ) Silber: Andry Laffita (CUB) Gold: Ok Sung Lee (KOR)
Es kann es nur einen geben: Guillermo Rigondeaux (CUB), der all seine Vorrundenkämpfe vorzeitig gewann und auch mit starken Boxern wie Ali Hallab (FRAU) keine Mühe hatte. Für Deutschland startete Veteran Rustam Rachimov (GER), der dieses Jahr vom Fliegengewicht ins Bantamgewicht aufgestiegen ist. Rachimov überzeugte im Turnier durch Erfahrung und Können und siegte über die algerische, koreanische und amerikanische Konkurrenz. Nach zweimal Bronze bei der WM 2003 und der letzten Europameisterschaft schaffte er dieses Mal Silber. Gegen die Beweglichkeit, Technik und Schnelligkeit des Kubaners war er im Finale mit 9:19 letztendlich jedoch chancenlos, auch wenn er noch einmal alles versuchte und eine gute Leistung ablieferte.
Bronze: Ali Hallab (FRA), Gary Russell jr. (USA) Silber: Rustam Rachimov (GER) Gold: Guillermo Rigondeaux (CUB)
Hier erwartete man im Finale gespannt das Duell zwischen dem blonden Bomber Alexey Tischenko (RUS) und Yuriorkis Gamboa (CUB). Beide holten 2004 die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen. Tischenko im Federgewicht und Gamboa im Fliegengewicht. „Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte“, heißt aber ein altes Sprichwort und Geheimfavorit Alexey Shaidulin (BUL) machte dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung. Er besiegte im Halbfinale den Kubaner vorzeitig, der in dieser Gewichtsklasse einfach zu schmal und schmächtig wirkte. Der Aufstieg von Gamboa vom Fliegengewicht ins Federgewicht war vielleicht also ein kleiner taktischer Fehler im kubanischen Team, auch wenn seine Niederlage einen faden Beigeschmack hinterließ. Gamboa führte gegen den Bulgaren mit 11:6, als er wegen eines „Cuts“ vom Ringrichter aus dem Kampf genommen wurde. Allerdings kassierte er vorher einige harte Treffer von Shaidulin. Im Fight um Gold machte der Russe seinem Beinamen „blonder Bomber“ alle Ehre und gewann seinerseits mit gnädiger Unterstützung der Punktrichter gegen den Bulgaren durch Abbruch in der zweiten Runde. Während „leichte“ Wischer des Russen gezählt wurden und er schnell mit 12:2 zu deutlich führte, blieben einige klare Treffer von Shaidulin von den Wertungsmaschinen unberücksichtigt. Der deutsche Vertreter Andreas Propp schied bereits im Viertelfinale gegen den erfahrenen Viorel Simion (ROM) aus.
Bronze: Yuriorkis Gamboa (CUB), Viorel Simion (ROM) Silber: Alexey Shaidulin (BUL) Gold: Alexey Tischenko (RUS)
Nach dem Rücktritt von „Super Mario“ Kindelan (CUB) und dem Übertritt von Amir Khan (ENG) ins Lager der Berufsboxer fehlte es dieser Gewichtsklasse ein wenig an dem besonderen Flair und an den großen Namen. Kindelans möglicher Nachfolger Yordenis Ugas (CUB) kam mit Siegen über die russische, koreanische und kanadische Konkurrenz zwar ins Finale, musste aber gegen Ibrahim Kamal (CAN) nach zwei Heumachern auf die Bretter. Doch Ugas überstand diese beiden brenzligen Situationen mit Glück und Können. In der dritten Runde verletzte sich Kamal am Bein und dadurch gelang es Ugas , den Punktrückstand aufzuholen und am Ende als Sieger aus der Auseinandersetzung zu gehen. Im Finale lieferten er und Roman Amanov (AZE) sich einen spannenden und guten Fight. Gold ging nach dieser Leistung verdient an Kuba. Für den Deutschen Enrico Wagner war dagegen schon in der ersten Runde Schluss. Sang- und klanglos verlor er gegen Darley Perez (COL) mit 42:31. Erwartet stark präsentierte sich der harte Italiener Domenico Valentino , der auf einen Wechsel ins Lager der Profiboxer spekuliert und bereits erste Angebote hat.
Bronze: Domenico Valentino (ITA), Khabib Allakhverdiev (RUS) Silber: Roman Amanov (AZE) Gold: Yordenis Ugas (CUB)
Pech hatte der hochgehandelte Olympiadritte von 2004 Boris Georgiev (BUL), der schon im Viertelfinale auf den Kubaner Inocente Fiss traf und dort etwas umstritten nach Punkten unterlag. Eine gute Leistung brachte Martin Dressen (GER), der sich mit drei Siegen bis ins Viertelfinale kämpfte, sich aber dann dem erfahrenen Olympiateilnehmer Dilshod Mahmudov (UZB) mit 33:13 beugen musste. Mahmudov besiegte im Halbfinale auch den jungen Fiss aus Kuba und traf im Finale auf den Kasachen Serik Sapiyev , der bei der letzten Olympiade Bronze im Leichtgewicht geholt hatte. Sowohl Mahmudov als auch Sapiyev waren dieses Jahr bereits bei verschiedenen Turnieren sehr erfolgreich und galten unter Experten bereits im Vorfeld als sichere Medaillenkandidaten. So standen sich im Halbweltergewicht die gegenwärtig besten Fighter dieser Klasse im Finale gegenüber und am Ende hatte der Mann aus Kasachstan die Nase vorn.
Bronze: Inocente Fiss (CUB), Emil Maharramov (AZE) Silber: Dilshod Mahmudov (UZB) Gold: Serik Sapiyev (KAZ)
Nachdem die Boxlegenden Oleg Saitov (RUS) und Lorenzo Aragon (CUB) zurückgetreten sind, sah alles nach einem sicheren Durchmarsch des amtierenden Olympiasiegers Bakhtiar Artayev (KAZ) aus. Bei Olympia 2004 hatte „Legendenkiller“ Artayev sowohl Saitov als auch Aragon eindrucksvoll besiegt und wurde als bester Boxer des Turniers ausgezeichnet. Darum galt er bei dieser Weltmeisterschaft als Topfavorit auf Gold, doch im Halbfinale wurde der Favoritenschreck von 2004 selbst zum Opfer. Der junge WM-Debütant Erislandi Lara (CUB) nahm erfolgreich „Rache“ für seinen Landsmann Aragon und besiegte den Kasachen mit 31:22, nachdem er in der Vorrunde bereits den sog. russischen Erzfeind, Andrey Balanov , aus dem Rennen geworfen hatte. Wieder ein Punkt mehr für das kubanische Team in der Nationenwertung gegenüber der Konkurrenz aus Russland. Nicht zuletzt, weil Lara seinem Kontrahenten Nurudinov im Finale keine Chance ließ und eindeutig mit 24:9 Gold holte.
Bronze: Neil Perkins (ENG), Bakhtiar Artayev (KAZ) Silber: Magomed Nurudinov (BLR) Gold: Erislandi Lara (CUB)
Auch in dieser Gewichtsklasse gab es „neues Blut.“ Der junge und hochgehandelte Russe Matvei Korobov stieg mit seinem RSCO im Finale über den Ukrainer Sillah in die Fußstapfen von Olympiasieger und Weltmeister Gaidarbek Gaidarbekov (RUS) und besiegte alle seine Gegner bis ins Halbfinale vorzeitig. Dort traf er auf seinen stärksten Konkurrenten, Emilio Correa aus Kuba, und schlug auch diesen klar mit 49:25. Überraschend in der Vorrunde ausgeschieden war dagegen Vizeolympiasieger Gennady Golovkin (KAZ) gegen den späteren WM-Dritten Mohamed Hikal (EGY). Durchwachsen auch die Leistung von Eduard Gutknecht (GER) mit einem Sieg in der Vorrunde über Bekzad Isaev (KGZ) und danach einer sehr knappen Niederlage gegen Mamadou Diambang (FRA) mit 30:31, für den dann im Viertelfinale selbst das Aus kam.
Bronze: Emilio Correa (CUB), Mohamed Hikal (EGY) Silber: Ismayl Sillah (UKR) Gold: Matvei Korobov (RUS)
Ein sog. „Lucky Punch“ zerstörte die Goldträume von Yusiel Napoles (KUB), der schon in der Vorrunde nach Punkten weit führend in einen Konter seines Gegners Mourad Sahraoui (TUN) rannte und vorzeitig verlor. Die übrigen Favoriten Yerdos Dzhanabergenov (KAZ) und der Olympiadritte 2004 Utkirbek Haidarov (UZB) machten es besser und boxten sich souverän und ungefährdet ins Halbfinale, wo sie aufgrund der Auslosung leider eine Runde zu früh aufeinander trafen. Der Kasache blieb mit 36:31 siegreich und hatte auch im Finale gegen den Kroaten die Punktrichter mit 27:12 verdient auf seiner Seite. Enttäuschend dagegen die Leistung des Deutschen Robert Woge , der gegen Ramadan Yasser (EGY) in der Vorrunde ausschied.
Bronze: Utkirbek Haidarov (UZB), Artak Malumyan (ARM) Silber: Mario Sivolija (CRO) Gold: Yerdos Dzhanabergenov (KAZ)
Der klare Favorit im Vorfeld nach dem Gewichtsklassenaufstieg von Odlanier Solis hieß eindeutig Vizeweltmeister Alexander Alexeev (RUS), der all seine Gegner förmlich aus dem Ring „bombte“. Ähnlich stark die Leistung des Deutschen Alexander Povernov , der sich mit Siegen über Verdan Dipalo (CRO) und Beka Lebzhanidze (GEO) ins Viertelfinale arbeitete. Dann stand er dem gefährlichen Luis Ortiz (CUB) gegenüber, der in der Vorrunde den Vizeolympiasieger Viktor Zuyev (BLR) aus dem Rennen beförderte und sich beim Worldcup 2005 Silber erkämpfte, als er sich mit dem Russen Roman Romanchuk einen wahren Schlagwechsel lieferte und das russische Publikum zu Begeisterungsstürmen hinriss. Dem erfahrenen und kampferprobten Deutschen, der schon einmal mit dem legendären Felix Savon im Ring stand, merkte man an, dass er keinen Respekt vor kubanischen Namen hatte. Povernov setzte seine Siegesserie wie schon bei den diesjährigen Länderkämpfen gegen Kuba fort und besiegte den Mann von der Zuckerrohrinsel vorzeitig. Im Halbfinale fand leider der vorgezogene Endkampf zwischen Alexeev und Povernov statt. Der Deutsche unterlag mehr als umstritten mit 33:36, nachdem es zu Beginn der letzten Runde noch 25:25 stand. Alexeev hatte letztendlich mehr das Glück auf seiner Seite. Gleich zweimal ergatterte er sich gegen Povernov ausgerechnet im „Clinch“ einen Punkt und das reichte letztendlich zu seinem knappen Sieg. Vielleicht ausgleichende Gerechtigkeit, denn bei Olympia 2004 hatte Alexeev viel Lospech und schied gegen den späteren Olympiasieger Solis schon in der Vorrunde aus. Neuer Weltmeister im Schwergewicht: Alexander Alexeev aus Russland.
Bronze: Alexander Povernov (GER), Elchin Alizade (AZE), Silber: Jasur Matchanov (UZB) Gold: Alexander Alexeev (RUS)
Nach dem Weggang von Weltmeister und Olympiasieger Alexander Povetkin (RUS) ins Lager der Berufsboxer, dem tragischen Ausfall von Islam Timurziev (RUS) wegen einer Krebsdiagnose und dem Rücktritt von Mukhtarkhan Dildabekov (KAZ) wäre eine Medaille für den Deutschen Sebastian Köber aufgrund seiner Erfahrung und seines Boxkönnens nicht unwahrscheinlich gewesen. Jedoch wurde Köber vom DABV nicht nominiert, weil er im Finale der Deutschen Meisterschaften verloren und damit die WM-Qualifikation verpasst hatte. Allerdings war das Punkturteil mehr als kontrovers. Anders die Kubaner: Obwohl Odlanier Solis , Olympiasieger von 2004 im Schwergewicht, bei den nationalen Meisterschaften seinem Landsmann Michael Lopez unterlegen war, entschied man sich am Ende im Team Kuba für den Techniker, der in diesem Jahr eine Gewichtsklasse höher geklettert ist und damit gegen den bewährten Kämpfer Lopez. Scheinbar die richtige Entscheidung, denn Solis boxte sich ungefährdet mit Siegen über den Bulgaren Pulev und den Chinesen Zhang ins Finale. Auch die Topfavoriten Roberto Cammarelle (ITA) und Roman Romanchuk (RUS), der wegen Timurzievs Absage ebenfalls vom Schwergewicht ins Superschwergewicht aufgestiegen ist, schlugen alles weg, was sich ihnen in den Weg stellte. Vizeolympiasieger Cammarelle machte zum Beispiel mit dem Amerikaner Michael Wilson kurzen Prozess. Ähnlich verfuhr Romanchuk mit dem erfahrenen und unangenehmen Rustam Saidov (UZB) und gewann durch RSCO in der ersten Runde.
Im Halbfinale trafen der Italiener und der Russe dann aufeinander und lieferten sich ein enges und dramatisches Gefecht. Zu Beginn der dritten Runde lag Cammarelle noch vorn, doch in der letzten Runde musste er dem ständigen Druck von Romanchuk Tribut zollen und verlor am Ende entkräftet mit 27:34. Im Finale wollte Solis sich dann an den Russen für seine Niederlage beim Strandja-Cup 2003 revanchieren. Dort hatte der Kubaner gegen den hoch gewachsenen Rechtsausleger eine Menge einstecken müssen und mit 26:30 in einer harten Ringschlacht das Nachsehen. Diesmal lief es umgekehrt und Gold ging an Solis mit 29:22.
Bronze: Roberto Cammarelle (ITA), Kubrat Pulev (BUL) Silber: Roman Romanchuk (RUS) Gold: Odlanier Solis (CUB)