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Chagaev mit Arbeitssieg über Skelton


Bericht von Karsten und Thorsten Fritsche
Fotos von Heinz Fritsche


Nachdem Ruslan Chagaev im April 2007 dem „russischen Riesen“ Nikolay Valuev den Weltmeistertitel im Schwergewicht der WBA abnehmen konnte, musste der gebürtige Usbeke zuletzt eine längere Pause aufgrund einer Erkrankung einlegen. Gestern stand nun die erste Titelverteidigung für Chagaev an. Im mit 4500 Besuchern ausverkauften Burg-Wächter Castello in Düsseldorf traf er auf den britischen Herausforderer Matt Skelton, der vier Tage vor seinem 41. Geburtstag nach der Krone im Schwergewicht greifen wollte. Doch wie sich herausstellte, war der Mann aus Bedford kein „Box-Opa“ und bereitete dem Champion einige Probleme. So kam Ruslan Chagaev bei seiner ersten Titelverteidigung nicht über einen glanzlosen Arbeitssieg hinaus. Doch gehen wir, wie üblich, der Reihe nach vor:


1. Kampf: Anthony Crolla vs. Tomasz Kwiecien, Superfedergewicht, angesetzt auf sechs Runden

Im ersten Kampf der „Universum Champions Night“ standen sich der Brite Anthony Crolla (auf Foto links) und der Pole Tomasz Kwiecien (auf Foto rechts) gegenüber. Recht schnell wurde deutlich, dass Crolla seinem längeren Gegner boxerisch in allen belangen deutlich überlegen war. Kwiecien zeigte sich zwar sehr engagiert, schlug jedoch zu ungenau aus zu großer Distanz, so dass der wesentlich schnellere und präzisere Brite keine Mühe hatte, nach der verpufften Aktion seines Gegners zu ihm aufzuschließen und selbst Treffer anzubringen. Wiederholt brachte Crolla vor allem den rechten Cross unter, der Kwiecien bald im Gesicht zeichnete. Kurz vor Ende der zweiten Runde schickte der Athlet aus Manchester seinen Kontrahenten mit einer Rechten auf die Bretter. Von da an verlief der Kampf völlig einseitig. Kwiecien kassierte deutliche Treffer, die seinen Kopf zum Teil bedenklich nach hinten schnellen ließen. Doch Crolla schien nicht die Schlagkraft zu haben, den Polen endgültig zu stoppen, auch wenn er in den Runden drei und vier jeweils weitere Niederschläge erzielte. Zu diesem Zeitpunkt schien ein Abbruch überfällig, doch Ringrichter Heinrich Mühmert ließ den völlig überforderten Kwiecien im Kampf und somit weiterhin Schläge nehmen. Erst in Durchgang fünf beendete Crolla, der insgesamt eine beeindruckende Leistung ablieferte, das ungleiche Duell mit einem rechten Aufwärtshaken, der seinen Gegner zum vierten Mal zu Boden schickte, wo Kwiecien ausgezählt wurde.

Offizielles Urteil: Sieger durch KO in Runde fünf nach 1:40 Minuten Anthony Crolla


2. Kampf: Jan Zaveck vs. Pietro d’ Alessio, Weltergewicht, angesetzt auf acht Runden

Den zweiten Kampf bestritten der Slowene Jan Zaveck (Foto) aus dem SES-Boxstall und Pietro d’Alessio aus Solingen. Beide Boxer agierten hinter einer geschlossenen Deckung und tauschten zunächst in der Ringmitte vor allem Führhände aus. Doch die Abtastphase dauerte nicht lange und die Kontrahenten ließen vermehrt Schlaghände folgen. Dabei stellte sich heraus, dass der 31-jährige Zaveck sowohl die schnelleren Hände als auch das bessere Distanzgefühl hatte. Gewann er die erste Runde noch eher knapp, verlief der Kampf im zweiten Durchgang wesentlich deutlicher zu Gunsten Zavecks, der seinen Gegner wiederholt mit wuchtigen Rechten bearbeitete. Zu Beginn der dritten Runde hielt d’Alessio noch einmal dagegen, doch der blendend aufgelegte Boxer aus Magdeburg behielt weiterhin die Oberhand und landete die klareren Treffer. Zum Ende des dritten Durchgangs schienen beim Solinger die Kräfte zu schwinden, während Zaveck das Tempo weiter anzog. Zudem hatte d’Alessio inzwischen eine Platzwunde unter dem linken Auge. Die folgende Runde brachte dann bereits das Ende des Kampfes, als Zaveck seinen Gegner in dessen Ringecke stellte und unzählige Schläge auf ihn niederprasseln ließ, die unbeantwortet blieben. Der chancenlose d’Alessio ging schließlich aufs Knie und ließ sich von Ringrichter Manfred Küchler anzählen. Anschließend bedeutete der sichtlich frustrierte Athlet aus Solingen mit einem Blick in seine Ecke, dass er den Kampf aufgab, woraufhin sein Trainer Uwe Schuster das Handtuch in den Ring hielt.

Für den siegreichen Jan Zaveck steht als nächstes ein Kampf um die Europameisterschaft gegen Jackson Osei Bonsu aus Belgien auf dem Programm.

Offizielles Urteil: Sieger durch TKO in Runde vier nach 2:33 Minuten Jan Zaveck


3. Kampf: Egon Roth vs. Sandor Forgacs, Schwergewicht, angesetzt auf acht Runden

Nach einer Verletzungspause von acht Monaten stand Egon Roth (Foto) aus dem Spotlight-Boxing-Team am Samstag zum ersten Mal wieder im Ring. Sein Gegner war der Ungar Sandor Forgacs, den der Mann aus Frankenthal bereits im September 2004 durch TKO in drei Runden besiegt hatte. Offensichtlich war dieser Rückkampf als vorsichtiger Test im Neuaufbau des 28-jährigen Schwergewichtlers gedacht, denn dass Forgacs eine echte Herausforderung werden würde, war von Anfang an nicht zu erwarten. Dennoch agierte Roth von Beginn an sehr vorsichtig und brachte ausschließlich die Führhand aus der Distanz. Wie schon in der Vergangenheit, wirkte der zwei Meter große Modellathlet dabei recht steif, unbeweglich und wenig variabel in den Schlägen. Trotzdem waren seine Aktionen völlig ausreichend, um den Ungarn zumeist auf Distanz zu halten, wo dieser ungefährlich blieb. Forgacs versuchte lediglich vereinzelte überfallartige Angriffe, die jedoch sämtlich verpufften. Erst in Durchgang zwei setzte Egon Roth ernsthaft die rechte Schlaghand ein. Schon der erste Versuch einer Eins-zwei-Kombination brachte einen Volltreffer und damit gleich das vorzeitige Ende des wenig interessanten Kampfes. Roths Rechte traf Forgacs voll im Gesicht, der an den Seilen runter ging. Mit einer Hand aufs Auge gepresst, ließ sich der Ungar am Boden kauernd von Ringrichter Arno Pokrandt auszählen, wobei er den Eindruck erweckte, schlichtweg keine Lust mehr zu haben. Alles in allem war dieser ungefährdete Sieg für Egon Roth eine erfolgreiche Rückkehr in den Ring, doch keinerlei Fortschritt.

Offizielles Urteil: Sieger durch KO in Runde zwei nach 2:02 Minuten Egon Roth


4. Kampf: Denis Boytsov vs. Tommy Connelly, Schwergewicht, angesetzt auf acht Runden

Der kurzfristig für Thiago Vasques eingesprungene Tommy Connelly konnte Denis Boytsov (Foto) keinen wirklichen Kampf liefern. Gegen den WBC-Juniorenweltmeister aus dem Universum-Stall wirkte Connelly mit seinen weiten Schwingern und der kaum vorhandenen Deckung wie ein Kirmesboxer. Daher kam der erste Niederschlag nach nur einer knappen halben Minute nicht überraschend. Boytsov ließ nichts mehr anbrennen, nagelte seinen Gegner mit einer Schlagsalve an den Seilen fest und zwang ihn mit einem Körpertreffer erneut zu Boden. Ringrichter Heinrich Mühmert nahm den überforderten US-Amerikaner folgerichtig aus dem Kampf.

Offizielles Urteil: Sieger durch technischen KO in Runde eins nach 1:51 Minuten Denis Boytsov


5. Kampf: Vladimir Tereshkin vs. Remigijus Ziausys, Schwergewicht, angesetzt auf vier Runden

In seinem sechsten Kampf als Profi bekam es Vladimir Tereshkin (auf Foto links) mit Remigijus Ziausys (auf Foto rechts) zu tun, der seine vergangen Kämpfe im Cruisergewicht bestritten hat. Tereshkin nutzte seine deutlichen Größen- und Reichweitenvorteile, um den Kampf aus der Distanz zu bestimmen, hatte es jedoch schwer, mit seinem Jab Treffer zu setzen, da Ziausys gut auf die Rechtsauslage des jungen Russen eingestellt war. Ab der zweiten Runde schlug Tereshkin Kombinationen und streute auch Körperhaken ein, um die Deckung des Gastboxers aus Litauen zu knacken. Ziausys ließ sich aber nur schwer stellen, da er auf flinken Beinen den gesamten Ring ausnutzte und die Angriffe Tereshkins gut antizipierte. Dabei zog er sich oft auf eine Distanz zurück, aus der er selbst nur wenig für die Offensive tun konnte. Seine überfallartigen Angriffe führten meist nur dann zum Erfolg, wenn sich Tereshkin zu sicher war und die Deckung vernachlässigte. In den beiden letzten Runden versuchte Ziausys daher, dichter an Tereshkin dran zu bleiben, doch hatte der Schützling von Torsten Schmitz dabei seine besten Momente. Auch wenn viele seiner Schläge auf der Deckung des Litauers landeten, konnte Tereshkin mit schnellen Händen und flüssigen Kombinationen mehr Akzente setzen und gewann somit verdient.

Offizielles Urteil: Sieger einstimmig nach Punkten Vladimir Tereshkin


6. Kampf: Taras Bidenko vs. Cisse Salif, Schwergewicht, angesetzt auf zwölf Runden

Die bisher einzigen Niederlagen musste Taras Bidenko gegen Nikolay Valuev und Vladimir Virchis hinnehmen. Beide waren ihm körperlich klar überlegen, was auch für Cisse Salif galt. Daher durfte man durchaus gespannt sein, wie sich Bidenko gegen den Mann aus Mali schlagen würde. Doch ein spannender Kampf wurde es am gestrigen Samstag in Düsseldorf leider nicht.

Taras Bidenko (Foto) zeigte zu Beginn des Kampfes deutlichen Respekt vor der massigen Erscheinung Salifs. Nach einer Minute in der ersten Runde schlug der Ukrainer zum ersten Mal seine Rechte, traf auch gleich ins Ziel und taute von da an mehr und mehr auf. Er nutzte seine größere Schnelligkeit und traf mit dem Jab regelmäßig, egal, ob er angriff oder mitschlug. In der Folge setzte Bidenko seine Schlaghand häufiger ein und landete auch Treffer zum Körper. Spätestens ab der vierten Runde hatte der UBP-Boxer seinen Rhythmus gefunden, indem er mehrere Hände schlug und aus der Distanz ging, bevor sein Gegner antworten konnte.

Von Cisse Salif kam zu wenig, um Runden zu gewinnen. Gelegentlich konnte er Bidenko mit ein paar gestocherten Führhänden in den Rückwärtsgang zwingen. Sobald der Ukrainer sich entzog, konnte Salif aber nicht mehr nachsetzen. Auch beim Umschalten von Verteidigung in Angriff kam „Cool C“ oft zu spät, da er sich zu weit zurück lehnte und außer Balance schlug. Erst in Durchgang sechs zeigte der Athlet aus Mali den Versuch, den Kampfverlauf herumzureißen. Er schlug nun häufiger bei den Angriffen Bidenkos mit, kam aber dabei nur selten zu Treffern. Das Aufbäumen war in den folgenden Runden schon wieder vorbei und das Duell wurde wieder einseitiger. Nur in Runde acht wurde Salif kurzzeitig etwas lebendiger, als er sich mit einem Tiefschlag für mehrere Treffer auf den Rücken revanchierte.

Ein spannender Schwergewichtskampf kam nicht zustande, denn dafür war des Geschehen zu einseitig. Bidenko punktete mit den immer gleichen Mitteln, konnte Cisse Salif (Foto) aber zu keinem Zeitpunkt Schlagwirkung hinterlassen. Der bullige 36-Jährige, der bereits gegen David Tua über die Runden gekommen war, schüttelte selbst nach mehreren Rechten in Folge nur unbeeindruckt den Kopf. Seine eigenen Schläge trafen aber oft nicht einmal Bidenkos Deckung, wenn er Kraft hineinlegte.

In den beiden letzten Durchgängen nahm Taras Bidenko deutlich das Tempo aus dem Kampf und überließ Salif die Initiative. Auch wenn „Cool C“ nun etwas mehr vom Kampf hatte und sich kurz vor Ende doch noch gegen die Niederlage stemmen wollte, genügten dem Schützling von Trainer Valentin Silaghi wenige Aktionen, um die besseren Treffer zu setzen. Es war ein sicher herausgeboxter aber glanzloser Sieg für Bidenko, der mit 119:109, 118:110 und 120:108 in dieser Höhe auch verdient war.

Offizielles Urteil: Sieger einstimmig nach Punkten Taras Bidenko


7. Kampf: Ruslan Chagaev vs. Matt Skelton, WBA-Weltmeisterschaft im Schwergewicht, angesetzt auf zwölf Runden

Wie bereits Eingangs erwähnt, stellte Matt Skelton den Weltmeister aus Usbekistan vor größere Probleme. Der 40-jährige Boxer aus Bedford versuchte von Beginn an seinen körperlichen Vorteil von elf Kilogramm zum Tragen zu bringen und suchte den Infight. Dabei nahm er den Kopf oft etwas tief, bohrte sich in den Gegner hinein und stellte ihn so an den Ringseilen, um ihn dort mit kurzen Haken zu bearbeiten. Ruslan Chagaev tat sich schwer, diese Taktik zu unterbinden und auf Distanz zu bleiben. Skelton drückte dem Kampf von Beginn an seinen Stempel auf. Aufgrund der höheren Aktivität im Nahkampf ging die Eröffnungsrunde an den britischen Herausforderer, obwohl es dem Champion zum Rundenende häufiger gelang die Distanz zu wahren und Schläge zu landen. Hier zeigte sich bald, dass Chagaev die schnelleren und genaueren Hände hatte.

Dieses Bild setzte sich in den beiden folgenden Durchgängen fort, was einen unansehnlichen Kampf mit viel Geschiebe und Klammern, aber wenigen klaren Aktionen ergab, der jedoch nicht zuletzt aufgrund der guten Stimmung in der voll besetzten Halle und der Intensität des Gefechts einiges an Dramatik vermittelte. Skelton blieb weiterhin der Angreifer und suchte die Nahdistanz, nahm dabei aber häufig die linke Hand zur Hilfe, mit der er seinen Gegner festhielt und ihn daran hinderte, sich dem Infight zu entziehen. Dies brachte dem Herausforderer in Runde zwei eine Ermahnung durch Ringrichter Guillermo Perez Pineda ein, der nicht immer sehr glücklich in seinen Aktionen wirkte, da er zunächst Unsauberkeiten nur zögerlich unterband und mehrfach Schwierigkeiten hatte, seine Trennkommandos durchzusetzen. Ruslan Chagaev (Foto) schien sich im Lauf der Runden zwei und drei aber besser auf die Taktik seines Gegners einzustellen und im Nahkampf zunehmend zurecht zu finden. Teilweise versuchte er gar nicht erst auf Distanz zu bleiben. Schon in seinem Kampf gegen John Ruiz im November 2006 an gleicher Stelle hatte der „weiße Tyson“ gezeigt, dass er gern mit seinem Gegner Fuß an Fuß boxt. Dabei nutzte Chagaev seine Beweglichkeit im Oberkörper, um Skelton aus verschiedenen Winkeln mit Haken zu bearbeiten.

Indem es Chagaev in Durchgang vier endlich etwas besser gelang, den Anweisungen seines Trainers Michael Timm zu folgen und aus der Distanz zu boxen, sicherte er sich seine bis dahin klarste Runde. Doch schon die fünfte Runde brachte wieder viel kraftraubendes Geschiebe für den Champion. Überraschender Weise war nun aber der 29-jährige Usbeke der aktivere Mann im Nahkampf, da Skelton zwar viel hielt und schob, darüber aber das Schlagen vernachlässigte. Dies änderte sich in Runde sechs, als der Brite wieder aktiver wurde und wiederholt gut mit dem rechten Aufwärtshaken traf, der im gesamten Kampfverlauf seine beste Waffe darstellte und deutliche Spuren im Gesicht des Weltmeisters hinterließ. Jedoch handelte sich Skelton eine weitere Ermahnung ein, dieses Mal für Tiefschlagen.

Die Durchgänge sieben und acht gerieten völlig unansehnlich, als sich beide Kontrahenten fast pausenlos in gegenseitiger Umklammerung befanden, was nicht nur grotesk aussah, sondern auch saubere Aktionen weitestgehend unmöglich machte. Lediglich Chagaev gelang es vereinzelt sich einmal zu lösen und am Mann zu explodieren. Matt Skelton (Foto) hinterließ seinerseits wuchtige Treffer im Infight und es schien, als würde Chagaev allmählich müde. In Runde acht zog Ringrichter Perez dem Herausforderer einen Punkt für wiederholtes Halten und Schlagen ab.

Ab Runde neun konnte sich der Weltmeister dann endgültig Vorteile verschaffen. In der langen Distanz kontrollierte er Mittels seiner schnelleren Hände eindeutig das Geschehen und kam zu deutlichen Treffern. Rückte Skelton heran, wurde er immer wieder von Chagaev mit Haken ausgekontert. In der zehnten Runde gelang es dann dem Champion sogar einen müde wirkenden Skelton an den Seilen zu stellen und mit zwei schönen Kombinationen zu bearbeiten. Nur gelegentlich blieb der Brite mit seinen Aufwärtshaken gefährlich, da er inzwischen fast nur noch rang, aber kaum mehr schlug.

Beide Boxer wirkten in den letzten zwei Runden erschöpft, doch Chagaev schien über mehr Reserven zu verfügen als sein Gegner und sicherte sich diese beiden Runden durch einzelne klare Aktionen. In den letzten 30 Sekunden zog sich der Champion noch eine Platzwunde durch einen unabsichtlichen Kopfstoß zu, die nach dem Kampf genäht werden musste.

Am Ende gewann Ruslan Chagaev völlig verdient mit 117:110 und zweimal 117:111 einstimmig nach Punkten, wobei auch die Höhe der Punktwertung absolut dem Kampfverlauf entsprach. Dennoch war es keine überzeugende Leistung und erst Recht kein schöner Kampf. Matt Skelton war es gelungen, seinen Stil zu etablieren, der eigentlich schon im Vorfeld so zu erwarten war. Chagaev hingegen ließ eine klare taktische Linie über weite Teile des Kampfes vermissen und erntete so nur einen glanzlosen Arbeitssieg gegen einen unbequemen aber boxerisch limitierten Gegner.

Offizielles Urteil: Sieger einstimmig nach Punkten Ruslan Chagaev


Nach dem Kampf äußerten sich die Protagonisten auf der Pressekonferenz zum Geschehen im Ring. Dabei zeigten sich sowohl Ruslan Chagaev, als auch sein Trainer Michael Timm recht zufrieden mit der gezeigten Leistung.

„Nach der langen Pause war das ein guter Test“, so Weltmeister Ruslan Chagaev. “Matt Skelton war ein starker Mann, doch kein normaler Gegner. Ab Runde sechs habe ich gemerkt, dass ich den Kampf gewinnen kann.“

Michael Timm (Foto) erklärte: „Entscheidend war, dass Ruslan sich im Ring erfolgreich umgestellt hat. Eigentlich war unser Plan aus der langen Linie zu boxen, doch er hat selbst entschieden, sich umzustellen und das ist ihm gut gelungen. Der Stil von Skelton ist sicher nicht schön, aber damit muss man einfach klarkommen. Er hat Ruslan immer wieder geschickt festgehalten, doch am Ende hat Ruslan den Kampf klar für sich entschieden.“

„Ich bin sehr enttäuscht. Ich muss jetzt schauen, wie es weitergeht. Ich würde aber gern weitermachen“, äußerte sich Skelton nach dem Kampf. „Ruslan sagte, er hatte eine lange Pause. Aber auch ich hatte eine Pause von sechs Monaten. Es war eine große Chance für mich und ich bin glücklich, diese Chance erhalten zu haben. Ruslan ist ein starker Champion. In Runde sechs oder sieben habe ich gemerkt, dass mir der Kampf entgleitet.“

Skeltons Trainer Kevin Sanders fand lobende Worte für seinen Schützling: „Matt hat seine Weltklasse bewiesen. Er hat zwölf Runden lang mitgehalten und ich hoffe, dass er zurückkommt.“

Auf die nähere Zukunft von Ruslan Chagaev und die kommende Pflichtverteidigung gegen den Sieger aus dem Duell zwischen Nikolay Valuev und Serguei Lyakhovich angesprochen, erklärte Promoter Klaus-Peter Kohl: „Wir möchten Ruslan nach der langen Pause jetzt aktiv halten. Wir werden abwarten müssen, was die WBA entscheidet. Aber der Kampf zwischen Valuev und Lyakhovich ist erst im Februar. Wenn wir die Möglichkeit bekommen, würden wir gern noch eine freiwillige Titelverteidigung einschieben.“

Von Spotlight-Boxing-Geschäftsführer Dietmar Poszwa war zu erfahren, dass man für den Kampf in Düsseldorf auch die Möglichkeit gehabt hätte, den Australier Kali Meehan oder den US-Amerikaner Mike Mollo zu verpflichten. Doch man habe sich für Matt Skelton entschieden, da man einen längeren Kampf haben wollte. Die Autoren halten es für denkbar, dass einer der beiden vorgenannten Boxer in der nächsten freiwilligen Titelverteidigung zum Einsatz kommen könnte, sollte diese noch vor der anstehenden Pflichtverteidigung realisiert werden. Nach der durchwachsenen Leistung gegen Skelton braucht man unbedingt wieder einen beeindruckenden Sieg des Usbeken.

Überhaupt ist es fraglich, ob sich UBP mit dem Matchmaking vom Samstag im Fall der beiden Hauptkämpfe einen Gefallen getan hat. Ruslan Chagaev ist doch WM-Titel im Schwergewicht noch kein Zugpferd und muss dem Publikum erst noch richtig schmackhaft gemacht werden. Mit Kämpfen wie dem gegen Skelton gelingt dies sicher nicht. Ebenso ist es fraglich, ob Chagaev auch nächstes Mal vor ausverkauftem Haus boxen wird. Auch im Fall Taras Bidenko war die Gegnerwahl wenig glücklich. Bidenkos Kampf wurde zum ersten Mal live in der Ukraine ausgestrahlt. Dem Athleten dann einen Gegner vorzusetzen, den er trotz unzähliger Treffer in keiner Weise mit seiner Schlagkraft beeindrucken kann, lässt ihn sicher nicht wirklich überzeugend aussehen.

Sonntag, 20. Januar 2008

 
     

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